| Mittelalterliches
Köln |  |
Rubrik:
Kölner
Geschichte
Thema:
Mittelalterliches Köln -
Köln
im
Mittelalter (Coellen/Coeln)
*
>
Stadtentwicklung - mittelalterliche
Stadtmauer - Handelsmetropole - Schlacht bei Worringen -
Pilgerstadt
0.
Vorbemerkungen und Inhalt
Historisch und
kulturell
umfaßt die Stadtgeschichte Kölns - grob gegliedert - drei
Epochen. Diese
geschichtliche Epochen
Kölns
werden in den nachfolgend genannten drei Themen-Seiten der Rubrik "Kölner
Geschichte" dieses
Internetauftritts näher
beschrieben:
Römisches
Köln
| um
19
v. Chr. - um 455 n. Chr. | ab
50 n. Chr. Status einer Colonia (Stadt römischen Rechts)
ab um 90 n. Chr. römische
Provinzhauptstadt
zeitweise Kaiseresidenz |
| Mittelalterliches
Köln | um
455 - um 1500 | um
460 - 8. Jhdt. Residenzstadt der Franken
bis 1288 Residenzstadt des Kurfürstentum Köln
ab
1288 de facto und ab 1475 de jure Freie Reichsstadt |
Neuzeitliches
Köln - Köln heute |
ab
um 1500 | 1794
- 1814 französische Besatzung
1815 - 1918 Königreich Preußen
aktuell größte Stadt in NRW und viertgrößte in
der BRD |
Inhalt
1.
Entwicklung der
mittelalterlichen
Stadt
2.
Stadtmauer und Bauwerke
3.
Die
Handelsmetropole
4.
Politische
Entwicklung
5.
Die
Pilgerstadt
D.
Wichtige
Geschichtsdaten zum Mittelalterlichen Köln
In Kölner Museen
werden Objekte aus den mittelalterlichen
Köln gezeigt im | Kölnisches
Stadtmuseum | Exponate
aus der Geschichte der Stadt Köln vom Mittelalter bis
heute |
Museum
Schnütgen | Sammlung
vorwiegend
kirchlischer
Kunst
des Mittelalters (bis
zur frühen Neuzeit) |
1.
Entwicklung der
mittelalterlichen
Stadt
Köln mit seinen
mittelalterlichen
Bezeichnungen Coellen oder Coelln (am Rhein)
bzw.
lateinisch meist Colonia
Agrippina (oder auch Agrippina Nobilis Romanorum
Colonia) war
im Frühmittelalter bis Anfang des Hochmittelalters flächen- und
einwohnermäßig die größte Stadt nördlich
der Alpen (Ende 11. Jhdt. schon über 20000 Einwohner) und mit
ihrem Stapelrecht
und Münzrecht eine einflussreiche europäische Metropole ... heute würde
man sagen eine Weltstadt. Im späteren Mittelalter
(13. -
Anfang 16. Jhdt.) hatte
die rheinische Metropole ca. 40000 Einwohner und war eine der größten und
bedeutendsten Städte Europas und
bis ins 16. Jhdt. die größte Stadt im Reichsgebiet.
Im nordwestlichen Europa
standen
Paris
(um 1200 über 100000 Ew., um 1500 ca. 200000 Ew.) und die
heute belgische Stadt Gent (14. - 16. Jhdt. um 60000 Ew.) sowie
später Antwerpen (1560 um 100000 Ew.) einwohnermäßig
an der Spitze. Köln war im Mittelalter Handelsmetropole,
Kunstmetropole, Erzbischofssitz, Freie Reichsstadt und Pilgerstadt und
bis zur
berühmten Schlacht bei Worringen Sitz
des
Kurfürsten. Sie war (Zitate Austellung
"Renaissance am Rhein" 2010 im Landesmuseum
Bonn) "zentraler
Umschlagsplatz für Waren, Menschen und kulturelle Strömungen",
"größte
Handelsmetropole des deutschsprachigen Raums" und "mit 45000 Einwohnern in
der Epoche der Renaissance die größte Stadt im gesamten Reichsgebiet" . Das
mittelalterliche Köln hatte das älteste
Stadtsiegel Europas, das erste
Rathaus und die erste
bürgerliche
Universität Deutschlands (gegründet 1388). Keine andere deutsche
Stadt hat so
früh -
nämlich seit 1130 - und
umfangreich ihre
Geschichte schriftlich archiviert. 1130 begann man in
Köln mit dem Schreinswesen,
der mittelalterlichen Form der Archivierung von Liegenschaftsunterlagen
(Schreine nannt man
die Truhen, in denen die ersten Archivalien aufbewahrt wurden). 1322
begann die systematische Archivierung. Das
erste Archiv wurde 1409 im
Rathausturm (Rentkammer) untergebracht.
Das vermutlich
um 19 v.
Chr. von
den
Römern als Ubiersiedlung (Oppidum
Ubiorum) gegründete und 50 n. Chr. mit den
Stadtrechten einer römischen Colonia versehene Römische
Köln
(Colonia
Claudia Ara Agrippinensium - CCAA -), umschlossen von einer
knapp 4 km
langen Stadtmauer mit einer Fläche von 97 ha, entwickelte
sich nach Abzug der Römer, bei dem viele der Romanen
in der Stadt geblieben waren, Mitte des 5. Jhdt. mit einem
nahtlosen
Übergang in eine frühmittelalterliche fränkische Stadt.
Die Stadt war
um 455 von den ripuarischen Franken eingenommen worden. Die Franken
behielten die römischen Verwaltungsstrukturen und auch Latein als
Amtssprache bei.
Mit
der
im 8.
Jhdt. einsetzenden Transformation von einer antiken bzw.
frühmittelalterlichen Stadt in eine mittelalterliche Stadt
erfolgten drei
Stadterweiterungen:
- spätestens
ab um
940
Einbeziehung der
römischen Rheinvorstadt auf einer von einem
ehemaligen Rheinarm abgetrennten
Insel und Nutzung dieses verlandeten Rheinarms für Märkte
(im
Gebiet des
heutigen Alter Markt/Heumarkt).
Dieser
Rheinarm ist ab
Mitte des 2. Jhdt. allmählich
verlandet
und
wurde
aufgeschüttet (im Gelände um den heutigen Alter
Markt/Heumarkt). Ein dort
vorhandener Hafen
musste verlegt
werden. Spätestens
um
940 ist dieses Gelände zur ersten urbanen
Stadterweiterung des mittelalterlichen Köln genutzt
worden. Nach neueren
Ausgrabungsergebnissen dürfte
diese
Erweiterung jedoch
schon
in
spätrömischer
Zeit erfolgt oder zumindest begonnen worden
sein (in
der 2.
Hälfte des
4.
Jhdt. oder sogar
schon zum Zeitpunkt des Baus der röm. Rheinbrücke um
310) und dann im 10. Jahrhundert fortgesetzt worden sein.
- 1106
Einbeziehung
der Ansiedlungen Niederich (im Norden), Westenich (im Westen) und
Oversburg (im Süden), außerhalb der ehemals römischen
Kernstadt
gelegen, in die mittelalterliche Stadt mit einem
Befestigungsring aus Gräben, Wällen und Torburgen und mit
einer Erweiterung auf ca. 200 ha. (mit ca. 12000 Einwohnern). Die Kölner
Bürger hatten im Machtkampf um die
Krone zwischen Kaiser Heinrich IV. und seinem Sohn Heinrich V. Partei
für den
erstgenannten ergriffen, worauf Heinrich IV. den
Kölner
Bürgern in diesem Zusammenhang das Befestigungsrecht erteilte.
- 1180 Erweiterung
auf
das ca. 400 ha große Gebiet (mit anfangs ca. 20000 bis 30000 und im 13. -
Anfang 16. Jhdt. 40000 Einwohnern)
innerhalb der neuen mittelalterlichen
Stadtbefestigung mit einem 20 m breiten Graben und der großen -
über 8 km langen **
- mittelalterlichen Stadtmauer
(Einrichtung ab
1180, Torburgen ab nach 1200), die im 14. Jhdt. durch einen zweiten
Graben und wegen der
inzwischen weiter reichenden Artilleriegeschütze nach 1400 durch
zusätzliche Wehranlagen (Bollwerke und Bastionen) vor der Mauer
erweitert wurde.
 Mittelalterliches Köln/
Stadterweiterungen 4. Jhdt./sp. ab 940 + 1106 + 1180 |  Mittelalterliches Köln (Merianplan)/
Stadterweiterungen 4. Jhdt./sp. ab 940 + 1106 + 1180
| 
Köln um 1550 Mercatorplan (Quelle: Praetorium/RGM)
|  Köln 1646 Merianplan |
|  Mittelalterliche Kirchenprovinz Köln (um 1500) |
1
=
Römerstadt (CCAA)
2
=
erste Stadterweiterung/ spätestens ab 940 (s. )
3
= zweite Stadterweiterung/ 1106
4 =
dritte Stadterweiterung (große Mauer)/ 1180 5
= Deutz | | |  weitere Entwicklung der mittelalterlichen Kernstadt (19./20. Jhdt.) |
Die wirtschaftliche
Blütezeit
Kölns (vor allem als Handelsmetropole)
begann im 10. Jhdt. und hatte ihren Höhepunkt im 12. - 15. Jhdt.. Im 11. Jhdt.
waren Mailand,
Köln und Venedig die ersten großen Handelsstädte
... und waren hierbei auch Schaltstellen des kulturellen Austauschs.
Zwischen 1000 und 1550
war
Köln ferner eine Kunstmetropole von Rang mit mit der Produktion in diversen
Kunstgattungen und
einem kulturellen Austausch mit Paris, Prag, Niederlande und
Italien, wie auch eine Ausstellung im
Kölner Museum Schnütgen "Glanz
und Größe des Mittelalters - Kölner
Meisterwerke aus den großen Sammlungen der Welt"
(04.11.11. - 26.02.12)
zeigt. Vor allem von ca. 1350
bis 1550 hatte Köln eine künstlerisch
ungewöhnlich
fruchtbare Epoche mit der renommierten mittelalterlichen Kölner
Malerschule (Altkölner Malerei), mit der
in Köln eine eigene Ausprägung der Kunst geschaffen worden ist und mit
der Köln hinsichtlich Qualität und Quantität
der Gemälde eine Spitzenstellung eingenommen hatte. Hiermit ist
wohl
auch der heutige Ruf Kölns als Kulturmetropole
begründet worden. Die Maler arbeiteten überwiegend in der
Schildergasse, wo
auch die Schildermaler ansässig waren, also in der Straße,
die aus dem römischen Decumanus
Maximus
hervorgegangen und heute die Einkaufsmeile Nr. 1 in Deutschland
ist. Der bekannteste Maler der Altkölner
Malerei war Stefan
Lochner, der in der Straße In der Höhle lebte und arbeitete,
die durch das Treppenhaus des Wallraf-Richartz-Museum
nachgebildet worden ist.
Im
Hoch- und
Spätmittelalter hatte Köln eine
enorme wirtschaftliche und politische Machtstellung und war Drehscheibe des
Fernhandels
nördlich der Alpen. Hierbei wurde Köln durch die Lage am Rhein und im
Zentrum von Fernstraßen begünstigt. Im
16.
Jhdt. wurde dann Antwerpen zeitweise zur wichtigsten Handelsstadt
Europas. Mit der Gründung
der ersten Ordensschule auf
deutschem Boden ("Studium Generale") 1248 durch Albertus Magnus
und der 1388 gegründeten Universität zu Köln (eine der ältesten Unis in
Europa und die erste bürgerliche Universität Deutschlands)
wurde Köln auch zu einem mittelalterlichen Zentrum der Wissenschaft.
Die herausragenden Personen dieses Wissenschaftzentrum waren Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Johannes Duns Scotus. Mit seiner einmaligen
Sakrallandschaft und der unvergleichlich
hohen Zahl an Reliquienschätzen wurde das
mittelalterliche Köln zu einer bedeutenden Pilgerstadt.
Die
mittelalterliche Glanzzeit endete mit dem wirtschaftlichen Niedergang
der Freien Reichsstadt
im Zusammenhang mit dem Zerfall der Hanse und der dem 30jährigen Krieg
(1608
-1648)
folgenden Wirren. So kam es Ende
17. und im 18. Jhdt. zum vorübergehenden
wirtschaftlichen
Niedergang und
Verfall
der Reichsstadt. Und auch
die Spitzenstellung hinsichtlich der Einwohnerzahl konnte nicht
gehalten werden.
Auch
die Beurteilung der Besucher
und unzähligen Pilger von Köln wechselte in dieser
geschichtlichen Epoche. Karl
der Große nannte die Stadt in seinem Testament "... eleganteste
Braut Christi nach Rom." In ihrer Blütezeit wurde Köln
in Reiseberichten als die "schönste
Stadt im deutschen Lande" und außerdem wegen der
unzähligen
Kirchen und Kapellen und der bedeutenden
Reliquien als das "Hillije (= Heilige) Coellen" gepriesen. Den
Titel "Sancta" (=
Heiliges
...) im Zusammenhang mit dem Stadtnamen war der Stadt im 12. Jhdt.
als einer
von 4 christlichen Metropolen (neben Rom, Byzanz und Jerusalem)
verliehen worden ("Sancta Colonia Dei Gratia Romanae
Ecclesiae
Fidelis Filia" = Heiliges Köln von Gottes Gnaden, der
römischen Kirche
getreue
Tochter). Zum
mittelalterlichen Köln schrieb der italienische Dichter,
Gelehrte und Reisende Petrarca, der 1333 Köln besucht hatte: "Ich
bewundere, wie groß im Barbarenland
die Gesittung, wie schön der Anblick der Stadt, wie gesetzt die
Haltung
der Männer, wie schmuck das Gebaren der Frauen, wie
überherrlich
obschon unvollendet der Dom sind." Im
18. Jhdt. hingegen galt
Köln bei vielen Besuchern als eine "abscheuliche
Stadt".
In der langen
Geschichte Kölns entwickelte sich auch der Name der Stadt
weiter. Die Römer nannten das um 19. v. Chr.
gegründete Oppidum
Ubiorum mit der Verleihung des
Status einer Stadt römischen Rechts fortan Colonia
Claudia Ara Agrippinensium (abgekürzt: CCAA) und später
offenbar nur noch Agrippina.
Die nachfolgenden Franken nannten sie wohl schlicht Colonia. Hieraus
entwickelten
sich im
Mittelalter die Bezeichnungen Coellen und Coeln (am Rhein)
bzw.
lateinisch Colonia
Agrippina
sowie in der Neuzeit Cöln
und ab 1919 der heutige
Name Köln (mundartlich: Kölle).
2.
Stadtmauer und Bauwerke
Die von um 1180 bis ca. 1260
(Torburgen ab nach 1200) erstellte mittelalterliche
Stadtmauer
war inkl. der
Rheinseite über 8 km lang (Angabe des
Historischen Archivs der Stadt Köln **) und hatte Bestand bis
1881,
nämlich bis im Zuge der Industrialisierung
die Ausweitung auf das Neuzeitliche
moderne
Köln
voranschritt. Sie war die größte mittelalterliche
Stadtbefestigung nördlich der Alpen. Die Mauer enthielt 12 große landseitige
Torburgen und 52
Wehrtürme sowie etliche Pforten zum Rhein.
Die
Zahl 12 für die Stadttore war übrigens von den Kölner
Bürgern bewusst gewählt worden, um sich so als
damaliges mittelalterliches
"hillije Köln"
auf das himmliche Jerusalem beziehen zu können. Vor der Mauer
befand sich ein 20 m
breiter Graben, der in der zweiten Hälfte des 14. Jhdt. um
einen weiteren Graben ergänzt worden ist. Aufgrund der
waffentechnischen Entwicklung folgten im späten Mittelalter
weitere Sicherungsbauwerke vor der Mauer: Mitte des 15. Jhdt.
vorgelagerte
Wehranlagen (Bollwerke mit Zwinger zwischen
Torburgen und Bollwerken) und im 17. Jhdt. ein
bastionärer Ring mit 25
pfeilförmigen Bastionen, die mittels sog. Kurtinen verbunden
waren. Zuletzt wurden die Vorfeldeinrichtungen um 1820 von den
Preußen, denen 1815
das Rheinland und Köln zugeteilt worden war, militärisch
modernisiert.
Die
ursprünglich
römische Hauptstraße durch die römischen Stadt (heutige
Hohe Str.) und deren Verlängerungen führte im
mittelalterlichen Köln nun durch die neuen
Stadttore im Norden und Süden (Eigelsteintor und Severinstor). Die
Stadtmauer wurde nachts zuerst von Vertretern der Zünfte,
später von den Kölner Stadtsoldaten bewacht. Ihren
eigentlichen Zweck, eine Einnahme der freien Reichsstadt zu verhindern,
mußte sie zum Glück
nie ernsthaft erfüllen, denn die Reichsstadt Köln wurde -
nach Wissen des Autors als einzige Stadt des Reichs - niemals erobert
und besetzt. Auch im verheerenden 30-jährigen Krieg ist Köln
nie angegriffen und eingenommen worden. Wer innerhalb der Stadtmauer
wohnte, genoss die speziellen Recht und Freiheiten der Stadt.
Leider
beschlossen die Kölner 1881 im Zuge der Ausweitung der
mittelalterlichen
Stadt den Abriss der Mauer ...
aus heutiger Sicht ein kultureller Frevel ohnegleichen und
übrigens entgegen dem Rat von Sachverständigen aus
Nürnberg, wo deren Mauer stehen blieb. Die Preußen, zu
deren Gebiet Köln seit 1815 gehörte, sorgten
dafür, dass wenigstens einige Stadttore
erhalten geblieben sind! Wäre die Mauer erhalten
geblieben, würde sie heute
sicherlich zu dem Weltkulturerbestätten gehören.
Die
mittelalterliche Stadtmauer
umfasste das mittelalterliche Köln mit
- seiner
östlichen Grenze am Rhein und
- seiner halbkreisförmigen
Grenze im Verlauf der heutigen Ringe,
d.
h.
sie umfasste die heutige
Kölner Altstadt
(Altstadt hier als kommunaler Begriff für die Innenstadt gemeint;
im heutigen Sprachgebrauch wird als "Altstadt" zumeist das
Vergnügungsgebiet um
Heumarkt/Alter Markt/Rheingarten verstanden). Der Verlauf der großen
mittelalterlichen Stadtmauer ist also in der Trasse der heutigen
kölntypischen halbkreisförmigen Ringstraße vom
Ubier-Ring als südliches
Ende am Rhein bis zum Theodor-Heuß-Ring als nördliches
Ende
am Rhein noch zu
erkennen. Die vorherige römische Stadtmauer
umfasste
das römische Köln und
damit das Kerngebiet der späteren mittelalterlichen
Stadt. Das
römische Straßennetz und der Verlauf der späteren mittelalterlichen
Mauer prägen noch heute die Struktur der Kölner Innenstadt.
Von
dem
halbkreisförmigen Ring dieser
mittelalterlichen Stadtmauer sind als Kultur-Denkmäler im
Stadtbild erhalten:
- das
Eigelsteintor
im Norden (Ebertplatz) und das Severinstor im Süden (Chlodwigplatz),
durch die die
Nachfolgestraße
des früheren römischen
Cardo Maximus
(der Nord-Süd-Achse durch das römische
Köln)
durchführte
- das Hahnentor im Westen
(Rudolfplatz),
das dem Vernehmen nach
aus
historischen
Gründen
erhalten blieb, weil im Mittelalter durch dieses Tor die in
Aachen gekrönten
Könige zum
Besuch der Reliquien der Heiligen drei Könige im Dom in Köln eingezogen waren
- der
Bayenturm an der
Süd-Ost-Ecke der Mauer am Rhein (in Nähe des heutigen
Rheinauhafens)
- die Bottmühle im
südlichen Mauerteilstück
(Mühle auf
einem stadtseitigen
Wehrplateau ("Bott")
in der Mauer)
- die
Ulrepforte (mit
Mühlenaufbau aus dem 15. Jhdt., umgebaut Ende 19. Jhdt.) im
Südwesten
- Wehrtürme und Mauerabschnitte in
Nähe
der Ulrepforte (Sachsenring)
- ein
Grabenfangteil Nähe
des
heutigen Friesenplatzes im Westen (ausgegraben in einer Tiefgarage)
- ein
Mauerabschnitt und
die Gereonsmühle (Mühlenaufbau auf einem Wehrturm) am heutigen Gereonswall
im
Nordwesten
- das Kunibertstürmchen
("Weckschnapp") am nördlichen Ende der Mauer (am Rhein)
(Diese
Denkmäler werden leider den
Kölner Bürgern und den vielen Besuchern der Stadt
nicht angemessen präsentiert;
siehe hierzu Mängelliste
Kölner Denkmäler
)
In der mittelalterlichen
Blütezeit entstanden neben der Stadtmauer an
historischen Bauwerken
insbes.
ein Ensemble von bedeutenden Romanischen
Kirchen (10. bis 13 Jhdt.), die zusammen mit dem gotischen Dom
(Grundsteinlegung 1248) -
dem Wahrzeichen Kölns - die
Bedeutung Kölns als Kulturstadt
entscheidend
mit prägen sowie der Gürzenich
(mittelalterliches Festhaus), das Rathaus (mit Turm und
Renaissance-Laube), das Overstolzenhaus
und andere. 11 der 12 erhaltenen
Romanischen
Kirchen waren im Mittelalter Kloster-
oder Stiftskirchen. Daneben sind einige der mittelalterlichen Pfarrkirchen
erhalten
geblieben, die bis 1802 in unterschiedlicher Weise
von den Stiften/Klöstern abhängig waren (Köln hatte seit
dem Mittelalter mit
19 eine ungewöhnlich große Anzahl Pfarreien der katholischen
Kirche! Zum Vergleich: Augsburg und Trier je 6). Die erste
jüdische Synagoge wird auf das 9. Jhdt. datiert. Die
Juden
hatten seit Anfang des 4 Jhdt. in Köln
die größte jüdische Gemeinde in Deutschland; Köln
war im 13./14. Jhdt. geistiges Zentrum des deutschen Judentums, bis sie
1424 aus Köln vertrieben wurden.
Von der Residenz der Erzbischöfe, die seit 953 zugleich
Kurfürsten von Kurköln und bis 1288 weltliche Herrscher von
Köln waren, fehlt bis auf wenige - nicht zugängliche -
Mauerteile jede Spur. Der erste Palast aus vermutlich dem 9 Jhdt. lag
an der Südseite des alten karolingischen Doms. Um 1164 wurde ein
neuer Palast an der Südseite des Domhofs errichtet. Nach der Schlacht bei Worringen 1288, nach der
der
Fürstbischof aus Köln vertrieben worden war, wurden die
späteren großen Residenzen in Bonn und Brühl gebaut.
3. Die
Handelsmetropole
Das mittelalterliche
Köln hatte das Privileg, einerseits
aus den
Traditionen einer Römerstadt und einem Bischofssitz
(seit
Anfang 4. Jhdt., seit 795 Erzbischofssitz) hervorgegangen zu sein,
andererseits aufgrund
seiner hervorragenden Verkehrs-Infrastruktur (insbes. der Lage an einem
großen
Strom und im Zentrum von Fernstraßen) eine hervorragende Lage für
den Fernhandel zu haben. Köln hatte
also Merkmale
aufzuweisen, aus
denen sich -
vor allem nach
der Zuteilung des Herzogtums Lothringen (mit Köln) zum
Ostfrankenreich im 9. Jhdt. und in Verbindung mit
dem
Stapelrecht (s.
unten) - im
Hoch- und Spät-Mittelalter die große
wirtschaftliche
Bedeutung als Handelsstadt ergab. In
dieser Epoche hatte Köln eine
enorme wirtschaftliche und politische Machtstellung und war Drehscheibe des
Fernhandels
nördlich der Alpen. Die hervorragende
Verkehrs-Infrastruktur
hat
sich bis in's
heutige moderne Köln erhalten. Köln war aber nicht nur
Handelszentrum, sondern auch Produktionszentrum und handelte mit
Alltagsgütern und Kunstschätzen. "Kölsch"
oder "Kölnisch" wurde zu einem Markenbegriff (Zitat
Museum Schnütgen,
Ausstellung "Glanz und Größe des Mittelalters").
Im Mittelalter wurden
die
vom Meer über den Rhein herangebrachten Waren vom Schiffstyp Niederländer
(geeignet für die große Wassertiefe des Niederrheins) auf die Oberländer
(geeignet für die geringere
Wasssertiefe des Mittel- und Oberrheins) umgeladen. Für den Handelsplatz Köln hatte das der Stadt 1259
vom Erzbischof Konrad von Hochstaden verliehene Stapelrecht
eine sehr große Bedeutung, denn damit
mußten
fortan alle auf insbes. dem Transportweg Rhein, aber auch auf dem
Landweg transportierten Waren in Köln zwangsweise abgeladen
(„gestapelt") und anboten werden. Die Durchfahrt
der Schiffe wurde durch ein Gitter im Rhein unterbunden. Köln und die
Kölner Kaufleute hatten
durch diesen Zwangsumschlag auf diese Waren ein 3-tägiges
Erstzugriffsrecht. Damit
wurde die Stellung der Stadt als Drehscheibe der europäischen
Warenströme
gefestigt. Das Stapelrecht wurde erst 1831 von den Preußen als
Folge der
Beschlüsse auf
dem Wiener
Kongress
(1815) aufgehoben.
Köln hatte im
Mittelalter
ferner eine eigene Längenmaßeinheit (Kölner Elle) und
ab
dem 11. Jhdt. eine eigene Gewichtsmaßeinheit (Kölner
Mark). Die
Kölner Mark war im Mittelalter die wichtigste deutsche
Grundgewichtseinheit
und wurde 1524 als Grundgewicht für die Münzprägung im
Heiligen
Römischen Reich deutscher Nation festgelegt. Bis 1857
bezogen sich
die Reichs- und viele Landesmünzordnungen auf die Kölner Mark. 1474
erhielt die Stadt das Münzrecht und konnte eigene Münzen prägen, ein
Recht, dass bis dahin nur dem Erzbischof zustand, der seine Münzen nach
der Vertreibung 1288 außerhalb prägen ließ.
4.
Politische
Entwicklung
Im
Zuge der fortschreitenden
Zerfalls des Weströmischen Reiches (Auflösung mit Sturz
dessen letzten
Kaisers 476) zogen die Römer ab. Köln wurde um 455 von den
Franken besetzt und
ab ca. 460 Residenzstadt
des fränkischen
Teilkönigreiches der
ripuarischen
Franken (Rheinfranken) (1. König ab um 460/470:
Sigibert von Köln). Viele der Romanen (=
Nachfolger
der
provinzionalen römischen
Bürger) blieben aber hier wohnen. Die Stadt erlebte dadurch als eine
der ganz wenigen römischen Städte einen
nahtlosen
Übergang in eine frühmittelalterliche Stadt. Die
heutigen
Kölner sind also - ethnisch gesehen - fränkischen Ursprungs
mit
großen Anteilen römischen Bluts. 507 fiel dieses
fränkische
Teilreich an das 482 durch Chlodwig I begründete
vereinigte Frankenreich der
Merowinger
(Chlodwig
soll in Köln als Herrscher aller Franken ausgerufen worden sein). Bei der Teilung
des Frankenreichs nach dem Tod Chlodwig I fiel Köln
an Austrien und gehörte später zum
Frankenreich der Karolinger (zuletzt ab 870 bis 911 zum
Ostfränkischen Reich der Karolinger). Mit dem Ende Karolingern
endete
im 8.
Jhdt. aller
Wahrscheinlichkeit nach auch
die Residenzfunktion von Köln. Ab
925 gehörte Köln
mit dem Herzogtum Lothringen wieder zum Ostfränkischen Reich unter
König Heinrich
I (als Vorläufer des spätereren Deutschen Reichs) und
ab 962 zum neuen Römischen Kaiserreich (ab 12. Jhdt. "Heiliges
Reich", ab
13. Jhdt.
"Heiliges
Römische Reich" und ab 15. Jhdt. - offiziell ab 1512
-
"Heiliges Römisches Reich Deutscher
Nation").
795 wurde das
Kölner Bistum zum Erzbistum erhoben. Unter dem Erzbischof Bruno I
begann 953 der politische Aufstieg. Bruno wurde Erzbischof und zugleich
Herzog von Lothringen und damit erster Stadtherr Kölns. Er war als
Erster geistliches und
weltliches Oberhaupt mit einer
praktisch absolutistischen Herrschaftsgewalt. Er war der auch erste
Fürstbischof Deutschlands. Die Nachfolger
Brunos behielten Teile des Herzogtums und waren zugleich
Erzbischof und Kurfürst des Kürfürstentums Köln
(Erzstift Köln/Kurköln). Dem Kölner Fürstbischof oblag seit
dem 11. Jahrhundert das Krönungsrecht für die deutschen Könige und
er gehörte ab
dem 13.
Jhdt. (bis 1803) zu den 7 bedeutendsten Kurfürsten, die den
römisch-deutschen König
(mit der Anwartschaft auf das römisch-deutsche Kaisertum)
küren durften. Der Kölner Erzbischof und Kurfürst war
zugleich
Erzkanzler für Reichs-Italien im Römisch-deutschen Kaiserreich
und
damit einer der mächtigsten Männer im Reich. Und auch die kirchliche
Bedeutung des Erzbistums Köln war bedeutend. Zur
Kirchenprovinz Köln gehörte im Mittelalter
ein riesiges
Gebiet mit dem Metropolitan- (Erz-) Bistum Köln und den
Suffragan-Bistümern Lüttich (bis 1559), Utrecht (bis 1559),
Münster, Osnabrück (bis 1995), Minden (bis um 1648) und Bremen
(bis 848/870).
1074
rebellierten die Kölner
erstmals - allerdings noch erfolglos - gegen die weltliche Macht des
Erzbischofs. 1106 nahmen die Kölner Bürger im Machtkampf um die
Krone zwischen Heinrich IV. und seinem Sohn Heinrich V. Partei für den
erstgenannten ein und organisierten erstmals eine Art
Bürger-Selbstbestimmung. Heinrich IV verlieh den Kölner
Bürgern in diesem Zusammenhang das Befestigungsrecht -
ein wichtiger erster Schritt
zur Entwicklung der Stadt hin zur Freien Reichsstadt -;
allerdings verblieb die
formale Befestigungshoheit noch beim Erzbischof und weltlichen
Herrscher. Zunächst gegen den Willen des Stadtherrn begannen
die
Kölner Bürger 1180 mit dem Bau einer großen
Befestigungsanlage, der
großen Stadtmauer. Der Bau der Stadtmauer wurde anschließend
vom Fürstbischof legalisiert;
und die Kölner ließen sich ihn vom Kaiser absichern. 1262
begehrten
die Kölner Patrizier
bei der Erstürmung
des Bayenturms erneut gegen den Erzbischof auf, der 1268 aus
der
Stadt vertrieben wurde. Ein Versuch der Rückkehr scheiterte am
14.10.1268 bei der Schlacht an der Ulrepforte.
Am 05.06.1288
kam
es schließlich zur berühmten und für die
Kölner Bürger und die weitere Entwicklung der
mittelalterlichen Metropole ungemein bedeutsamen Schlacht bei
Worringen, eine der größten deutschen Ritterschlachten des
Mittelalters.
Die Kölner Bürger kämpften im
Limburger Erbfolgestreit,
von dem Köln eigentlich gar nicht betroffen war, siegreich
an der Seite des Herzogs von Brabant und seiner Verbündeten (neben
den Kölner Bürgern die Truppen der Grafen von Berg, Mark und
Jülich) gegen den Herzog von Luxemburg und
seiner
Verbündeten (u.
a. mit den
Truppen des Kölner Erzbischofs/Kurfürsten). Der Kölner
Fürstbischof verlor nach dieser Niederlage seine weltliche
Herrschaft
über die Stadt Köln. Er musste
seine Kölner
Residenz aufgeben
und sie für den Rest von Kurköln außerhalb des
Stadtgebiets neu anlegen (in Bonn und Brühl). In Köln behielt
er nur die
geistliche Macht. Köln war damit de facto Freie Reichsstadt.
1475 erhielt dann Köln auch de jure das Privileg einer Freien
Reichsstadt, das bis zur Besetzung durch die Truppen Napoleons im Jahre
1794
unangetastet blieb.
Freie Reichsstadt:
Das
Hauptmerkmal der
"Reichsstädte" im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation)
war deren rechtliche Unabhängigkeit
gegenüber den regionalen
Herrschern (Reichsfürsten). Die Reichsstädte hatten
den Status der
Reichsunmittelbarkeit und waren direkt und nur dem
Kaiser
untertan, an den sie ihre Steuern direkt abführten, dem sie
Heerfolge
zu leisten hatten und von dem sie eine eigene weitgehend
unabhängige Gerichtsbarkeit erhielten. Damit unterschieden sich
die Reichsstädte von den Landstädten, die einem Landesherrn
untertan waren. "Freie Städte" waren Bischofsstädte, die in
etwa die gleichen Privilegien hatten wie die Reichsstädte, aber
gegenüber dem Kaiser eine gewisse Autonomie besaßen, z. B.
außer bei Kreuzzügen keine Heerfolge zu leisten hatten. Ab
dem 15. Jhdt. wurde diese beiden Statusformen
unter
dem Begriff
"Freie und
Reichsstädte" -
umgangssprachlich
"Freie Reichsstädte" genannt -
zusammengefaßt.
Einige Städte hatten beide Statusformen in sich vereint. Die
Anzahl der Freien Reichsstädte änderte sich im Laufe der
Zeit; maximal waren es 83. |
 Stadtverfassung
Köln 1396
|
Die weltliche Macht in Köln
wurde ab 1288 zunächst von den
Patriziern, den
sog. Geschlechtern, ausgeübt. Es handelte sich also um eine
Oligarchie (=
Herrschaft von
kleinen Führungsgruppen). Die
entstehenden neuen
Führungsorgane der Stadt wurden von den Vertretern der wichtigsten
Patrizierfamilien dominiert. Die "Riecherzeche", ein
Verbund der Reichen, war ein Vorläufer eines gewählten städtischen
Rats.
Eine der
mächtigsten Patrizierfamlien
in jener Zeit waren die Overstolzen.
Nach mehreren
innerstädtischen
Konflikten übernahmen dann ab 1396 auf der
Basis des sog. "Verbundbriefs", der ersten Kölner
Stadt-Verfassung, die 22 Gaffeln (Wahlgemeinschaften
der Kaufleute und Handwerker für den Rat, davon 15 Gaffeln einer
oder mehrerer Handwerkerzünfte, den sog. "Ämtern")
die politische Macht in Köln. Die Macht lag nunmehr im
wesentlichen beim neuen einheitlichen Stadtrat, für den allerdings
nur die in Köln geborenen Bürger und solche Zugereiste, die
das
Bürgerecht erworben hatten, wählbar waren.
"Bürger" im Sinne des Verbundbriefs waren aber nur die in
den 22 Gaffeln organisierten selbständigen
Kaufleute
und Handwerker (in der Regel auch nur männliche), so dass
die oligarchische Herrschaft der Geschlechter in eine - allerdings
wesentlich breiter aufgestellte - Oligarchie der Gaffeln
wechselte. Der
Verbundbrief blieb mit einigen Modifizierungen
bis 1794, also fast 400 Jahre
lang, als Kölner
Verfassung gültig.
Allerdings
blieb es in diesem Zeitraum nicht friedlich in Köln. So
gab es 1481/1482 einen Aufruhr der Gaffeln gegen den Stadtrat wegen
erheblicher Preiserhöhungen, der jedoch niedergeschlagen wurde.
1512/1513 gab es einen erfolgreichen Aufstand der Gaffeln wegen
fortgesetzter Rechtsbrüche des Rats, der zu Ergänzungen des
Verbundbriefs, dem sog. Transfix-Brief, führte. Anfang der
1680iger Jahre gab es einen Aufstand einer Opposition unter
Führung des Nikolaus
Gülich wegen Misswirtschaft und Korruption des Rates, der
zunächst viel Unterstüzung fand, letztendlich aber 1686 mit
der Ermordung des Nikolaus Gülich endete.
Mittelalterliche
Herrschaftstrukturen in Köln zusammengefasst
- 953 - 1288
absolutistischen
Herrschaftsgewalt der Erzbischöfe als geistliches und zugleich
weltliches Oberhaupt (ab um 1200 mit
Organen der
Bürgerschaft)
- 1288 -
1396 oligarchische Herrschaft der
Geschlechter (einige Patrizierfamilien) in
einer de facto Freien Reichsstadt
- 1396 - 1794 Gültigkeit des
Verbundsbriefes mit einer
breiteren
oligarchischen Herrschaft der in den Gaffeln organisierten Bürger
(ab 1475 auch de jure in
der
Freien Reichsstadt Köln), die erst mit der Besetzung durch die Franzosen endet
Politische
Zugehörigkeiten
Kölns in seiner über 2000-jährigen
Geschichte im Überblick
- um 19 v. Chr. bis um
455 n. Chr.: antikes Römisches Imperium (ab 50 n. Chr. in
dem Rang einer
Colonia).
- um 455 bis 962:
fränkische Reiche.
- 962 bis 1794: neues
Römisch-deutsches Kaiserreich/ab 15. Jhdt. Heiliges Römisches
Reich Deutscher
Nation (ab Mitte des 10. Jhdt. innerhalb des Kurfürstentums
Köln (Kurköln), ab 1288 de facto und ab 1475 de jure als
Freie
Reichsstadt).
- 1794 bis 1815 nach
der Besetzung durch die Franzosen: Französisches Reich (offizielle
Eingliederung: 1801).
- 1815 bis 1871:
Königreich Preußen (bis 1866 im Deutschen Bund).
- 1871 bis 1918: Königreich
Preußen (im Deutschen Kaiserreich).
- ab 1918: deutsche
Republiken (seit 1949 Bundesrepublik
Deutschland/Bundesland
Nordrhein-Westfalen).
Das
Kurfürstentum Köln
exisierte von Mitte des 10. Jhdt. bis 1803 (aber faktisch ab 1288
und juristisch ab 1475 ohne das
Stadtgebiet Kölns). Ein Hinweis
für engagierte
Kölner im modernen Wettstreit mit der rheinischen Nachbarstadt:
Ein Nebenergebnis der Schlacht von Worringen war, dass der
mitsiegreiche Graf von Berg 1288 dem damals noch kleinen unbedeutenden
Anwesen Düsseldorf die Stadtrechte verlieh, anders gesagt dass die
mitsiegreichen Kölner Bürger indirekt an der Gründung
Düsseldorfs beteiligt waren.
5.
Die
Pilgerstadt
Von großer
religiöser
und zugleich wirtschaftlicher Bedeutung für
das Mittelalterliche Köln war, dass
Köln mit 500000 Pilgern/Jahr zusammen mit Rom und dem
nordspanischen Santiago de Compostella eine der 3 bedeutendsten
Wallfahrtsorte in jener Zeit war. Es war auch einer der zentralen Sammelpunkte der
Pilgerwege
zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago
de Compostella ("Jakobsweg") . Das mittelalterliche "hillije Köln"
(Sancta Colonia)
(der Titel
"Sancta" im Zusammenhang mit dem Stadtnamen war - wie schon
erwähnt - der Stadt im 12. Jhdt.
als einer
von 4 christlichen Metropolen (neben Rom, Byzanz und Jerusalem)
verliehen worden.) war aufgrund
- seiner
einmaligen Sakrallandschaft mit sehr vielen zum Teil
einzigartigen Kirchen und Kapellen (um 1500 sollen es mehr
als 300
gewesen
sein; in
einem mittelalterlichen Reisebericht hieß es: "... soviel
wie das Jahr Tage hat"; Zitat Förderverein
Romanische Kirchen/Nov.
2010: "Bis zum Umbruch im 19. Jhdt. gab es 168 öffentliche Kirchen und
Kapellen und fast ebensoviel private und Kloster-Kapellen."),
-
der in Deutschland mit Abstand größten
Zahl an Pfarrbezirken
(19) der katholischen Kirche
und
-
vor allem seiner unvergleichlich
hohen Zahl an Reliquienschätzen
(mit vor allem den Gebeinen der Heiligen
Drei Könige im Kölner
Dom - siehe unter Daten
- sowie u. a. den
1121 gefundenen und seitdem verehrten Reliquien des Hl. Gereon und seiner Gefährten und den im 12.
Jhdt. gefundenen Gebeinen der legendären Heiligen Ursula
und ihrer laut
der Legende 11000 Begleiterinnen)
und der damit
verbundenen religiösen Bedeutung ein großer
Anziehungspunkt für die Pilger. Pilger aus ganz Europa
suchten vor allem die "Spitzen-Reliquien" als Heiltümer auf. Der
mittelalterliche
Reliquienschatz Kölns in Kirchen
und
Kapellen soll mehr als 800 Heilige enthalten haben und
war nach Rom der
größte aller europäischen Wallfahrtsorte.
Vor allem die Reliquien der Hl. Drei Könige im Kölner Dom als
Wallfahrtskirche gehörten für
unzählige einfache Pilger und auch für die europäischen
gekrönten Häupter und Fürsten zum Pflichtprogramm. Die
Könige und Fürsten haben wohl über die damals an der
Ostseite des Doms gelegene Kirche St. Maria ad
gradus (Baubeginn vor 1075) den Dom betreten bzw. verlassenen. Eine
Art Pilgerweg war auch die sog. Krönungsstraße vom
nahegelegenen Aachen nach
Köln (innerhalb Kölns die heutige Aachener Str.), über
die
im Mittelalter die im Aachener Dom gekrönten deutschen Könige
nach
Köln zu den Reliquien der Heiligen Drei Könige pilgerten.
Wenn
man bedenkt, dass es nach Ansicht der meisten Historiker wenig
belastbare historische
Nachweise für die Hl. Drei Könige (im
Matthäus-Evangelium noch "Weisen aus dem Morgenland") und
keinerlei Nachweise zur
Legende von der Hl. Ursula und damit für die Kölner
touristischen "Spitzen-Reliquien" gibt, gab es in Köln im
Mittelalter offenbar geniale - heute würde man
sagen -
Touristik-Marketing-Experten.
Die für die
Entwicklung Kölns im Mittelalter so
ungemein wichtigen Reliquien der Hl. Drei Könige (Auslöser für
den Bau des gotischen Kölner Dom und die Entwicklung als Pilgerstadt)
sollen nach einer - historisch allerdings nicht belegten -
Legende
1164 durch den
romanischen Vorgänger des heutigen "Dreikünnije-Pötzje"
(Dreikönigen-Pforte) direkt an St. Maria im Kapitol nach Köln
und
in den Kirchenraum Köln eingeführt worden sein. Das heutige
Pötzje stammt aus um 1460.
Die
erste christliche Gemeinde in Köln wird für das 2./3. Jhdt. vermutet.
Für 313 ist mit Maternus der erste Kölner Bischof
verbrieft und
bei den Ausgrabungen unter dem Kölner Dom sind Reste eines ersten
Gebetsraums aus dem 4. Jhdt. gefunden worden. Zur römischen Zeit dürfte
es auch eine erste jüdische Gemeinde gegeben haben. Ein Erlass des römischen
Kaisers
Konstantin I von 321 mit der Erlaubnis, Juden in den Stadtrat
aufzunehmen, gilt als Beleg für
die Gründung der ältesten jüdischen Gemeinde
nördlich der Alpen im 3./4. Jhdt. in
Köln.
Informationen über
Bauwerke
und
Fundstellen der mittelalterlichen Epoche Kölns siehe Themen-Seiten
"Kölner Bauwerke"
und "Kölner
Denkmäler" dieses
Internet-Auftritts.
¤ Der Kölner Maler Siegfried Glos,
Thürmchenswall 76, in der Kölner Innenstadt hat große Teile der mittelalterlichen Stadtmauer
mit
fast allen Toren
und Türmen historisch korrekt gemalt. Ein Besuch der über 40
Gemälde
im Rahmen einer Führung und der Besuch seines Internetauftritts "Das alte Köln"
lohnen
sich.
¤
¤ Zu
empfehlen sind die
im Bachem
Verlag erschienenen
Bücher von Carl Dietmar
"Das
mittelalterliche Köln" und Werner
Jung "Das neuzeitliche Köln". ¤
Der
Verfasser empfiehlt
als Mitglied die Unterstützung des gemeinnützigen
Vereins >
Fortis Colonia -
2000 Jahre befestigtes Köln e. V.,
der
sich um die wichtigen und bedeutenden Kölner Festunges-Denkmaler
wie die mittelalterliche Stadtmauer
kümmert, durch
Mitgliedschaft und/oder Spenden. |
Kirchenvielfalt im
Mittelalter:
Kirchen
um
den Dom, die alle der
Säkularisation und Städtebaumaßnahmen
nach 1800 zum Opfer gefallen sind.
|
D. Wichtige
Geschichtsdaten zum Mittelalterlichen Köln (bis
zur frühen
Neuzeit)
- Um
455
Das vormalige
römische Köln wird von den ripuarischen Franken
(Rheinfranken) besetzt und ab ca.
460
Residenzstadt deren Teilreiches (bis 507;
erster König ab um 460/470: Sigibert von Köln).
Das Praetorium (Palast des römischen Statthalters) wird
nun als Aula regia (Königshof) genutzt.
- 507
Der
Merowinger Chlodwig I (König 482-511 ) wird in Köln
(möglicherweise in der Kirche St. Gereon) zum
König aller Franken ausgerufen;
Köln
fällt damit an das Frankenreich der Merowinger und 751 nach der
Ablösung der Merowinger an das Frankenreich der Karolinger (damit
endete wohl auch die Residenzfunktion von Köln). Chlodwig I
ließ
sich nach der siegreichen Schlacht bei Zülpich gegen die Alamannen
(496) um 498 in Reims von Bischof Remigius zum Christen taufen; dies
hatte weitreichende Folgen für die Christianisierung des
Frankenreiches und damit auch des Rheinlandes.
- 795
Das
Bistum Köln wird durch den Karolinger-König Karl den
Großen (ab 800 Kaiser) zum Erzbistum erhoben; sein Berater
Hildebold (Bischof seit ca. 787) wird erster
Kölner Erzbischof (795-818). Zur
Kirchenprovinz Köln gehörte im Mittelalter
ein riesiges
Gebiet mit dem Metropolitan- (Erz-) Bistum Köln und den
Suffragan-Bistümern Lüttich (bis 1559), Utrecht (bis 1559),
Münster, Osnabrück (bis 1995), Minden (bis um 1648) und Bremen
(bis 848/870).
- 843
Köln
fällt mit der Aufteilung des Frankenreiches an das fränkische
Mittelreich (Lotharingien) und 870
mit der neuerlichen Aufteilung
an das Ostfranken-Reich und untersteht
- mit
einer kurzen Unterbrechung von 911-925 - seitdem innerhalb
seiner
Herzog- bzw. Fürstentümer und später als freie
Reichsstadt den
ostfränkischen
Königen bzw. später den deutschen Königen und Kaisern.
- 870
Der
"Alte (karolingische) Dom" (Vorläufer des heutigen gotischen Doms)
wird eingeweiht (Baubeginn um 850).
- 925
Das Herzogtum Lothringen wird nach einer zwischenzeitlichen
Veränderung wieder dem Ostfrankenreich (als Vorläufer des "Heiligen
Römischen Reiches" und des späteren "Heiligen Römischen
Reiches deutscher Nation") zugeschlagen
(unter Heinrich I, der als
Gründer des Deutschen Reiches
gilt) ... Köln wird
quasi deutsch. Damit
beginnt der Aufstieg Kölns zur Handelsmetropole.
- 953
Brun/Bruno I
(Bruder des
Königs/Kaisers Otto I) wird Erzbischof von Köln und
im Auftrag des Königs Herzog von Lothringen. Bruno I ist somit in
Köln
als erster geistliches Oberhaupt seines Erzbistums und zugleich
weltliches
Oberhaupt seines Herzogtums und damit erster Stadtherr von
Köln. Die Kölner Erzbischöfe erhalten damit eine
faktisch absolutistische Macht, die im Kölner Stadtgebiet 1288
nach der Schlacht bei Worringen endet. In die Amtszeit Brunos
(953-965) fallen
wichtige Veränderungen des Stadtbildes und Kirchen-, Kloster- und
Stiftsgründungen. Köln wurde einer der Herrschaftsaufenthalte
im sog.
Reisekönigstum. Die
Nachfolger
behalten im Rang eines
Kurfürsten als weltliches Herrschaftsgebiet das
Kurfürstentum Köln (Erzstift Köln, Kurköln)
mit
Teilen des vormaligen
Herzogtums. Das
Kurfürstentum Köln
exisierte von Mitte des 10. Jhdt. bis 1803.
- Ab
962
Köln gehört zum mit der Kaiserkrönung Otto I neu
gebildeten römische
Kaiserreich (später Heiliges Römisches Reich deutscher
Nation); Otto I (König ab 936, Kaiser 962 - 983) hielt bis 965
mehrer Hoftage in Köln ab.
- 969-976
Gero Erzbischof von Köln; er bringt Prinzessin Theophano als Braut
Otto II von Byzanz nach Rom und stiftet das Gero-Kreuz im Dom.
- 1027 Köln erhält das Münzrecht.
- 1028
Der
Kölner Erzbischof erhält das Krönungsrecht im Heiligen
römischen Reich für die in Aachen zu krönenden
Könige;
1031 wird er
auf Dauer Erzkanzler für Italien. Der Aachener Dom war mit wenigen
Ausnahmen Krönungsort der römisch-deutschen Könige von
936 (Otto I) bis 1531 (danach Frankfurt).
- Ca. 1035
Geburt des
späteren Hl. Bruno
von
Köln
(1030-1101), des Gründers des Kartäuserordens (10091), im
lateinischen Abendland bis in frühe Neuzeit der bekannteste
Kölner
- 1056-1075
Anno II Erzbischof
von Köln, eine Phase mit weiteren wichtigen Stadtausbauten und
Kirchen- und Stifts-Bauten.
- 1054
Krönung des
Heinrich IV (bekannt u. a. durch den Gang nach Canossa 1077) durch
den Kölner Erzbischof.
- Ab dem 11.
Jhdt. wird das Erzstift Köln (ab 14. Jhdt.
Kurfürstentum Köln - "Kurköln")
mehrfach gebietsmäßig ausgeweitet.
- 1074
Kölner
Bürger rebellieren erstmalig gegen die weltliche Macht des
Erzbischofs (Anno II); der Aufstand wird zwar blutig
niedergeschlagen, der
Selbstverwaltungswille
der Kölner Bürger bleibt aber - wie sich später zeigt -
erhalten.
- 1106
Kaiser
Heinrich IV verleiht den Kölnern
im Zusammenhang mit dem Machtkampf um die Krone mit seinem Sohn,
Heinrich V., das Befestigungsrecht (allerdings noch in
Befestigungs-Hoheit des Erzbischofs),
ein wichtiger Schritt der Entwicklung zur Freien Reichsstadt.
Ausgelöst wird damit die zweite Stadterweiterung mit einer ersten
Umwallung.
- 1114
Die sog. Sondergemeinden Kölns schließen sich zur
Stadtgemeinde zusammen.
- 1130
Beginn der schriftlichen Archivierung der Kölner Geschichte in
"Schreinsbüchern" (erstes Archiv 1409).
- 1135
Das
Haus der Bürger (Rathaus) wird erstmals erwähnt (als ersters
Rathaus Europas). Ein Neubau erfolgt in der 1. Hälfte des 14.
Jhdt.
- 23.07.1164
Überführung der Reliquien der "Heiligen Drei Könige"
durch den Erzbischof und Reichskanzler Reinald von Dassel
(EB 1159-1167) von Mailand nach Köln (eine Kriegbeute des
Kaisers Friedrich I Barbarossa nach der Einnahme des
Widerstandszentrum Mailand 1158 und ein Geschenk an den Kölner
EB), wodurch Köln einer der wichtigsten
Wallfahrtsorte Europas wird und in großer
Anzahl Pilger und Könige zu Pilgerfahrten nach Köln
anlockt. Die Gebeine der Hl. Drei Könige wurden nach
einer
-
allerdings
historisch nicht gesicherten - Legende an der Stelle des
romanischen Vorgängers des
heutigen "Drei-Künnije-Pötzje" an St. Maria im Kapitol
nach Köln und in den Kirchenraum
Kölns
eingeführt und dann im alten karolingischen Dom untergebracht. Die
Überführung dieser Reliquien war überdies
der Auslöser des Baus des gotischen Kölner Doms an der Stelle
des karolingischen Vorläuferdoms!
- Ab
um 1180
Bau der großen mittelalterlichen Besfestigungsanlage mit der
großen Stadtmauer und Abschluss des
mittelalterlichen Stadtumbaus.
- 1181-1225
Erstellung des Schreins der Heiligen drei Könige durch Nikolaus
von
Verdun, den ersten namentlich bekannten Kölner
Künstler.
- Um
1200
bildet sich erstmalig ein Kölner Rat als Organ der
Bürgerschaft neben der absolutistischen Macht des EB (eine
größere Machtentfaltung des Rates folgt im Laufe des 13. und
im 14. Jhdt.).
- 15.08.1248
Grundsteinlegung für den gotischen Kölner Dom
durch
Erzbischof Konrad
von Hochstaden
(EB
1238-1261); Chorweihe 1322, Baustopp um 1530,
Weiterbau und Fertigstellung 1842 bis 1880.
- 1258
Großer Schied, eine Einigung nach langem Streit zwischen dem
Erzbischof Konrad von Hochstaden und der Kölner
Bürgerschaft, an den sich der EB zwar nur ein Jahr lang gehalten
hat, der dennoch ein wichtiger Meilenstein zu einer Kölner
Stadtverfassung war.
- 1259
Verleihung
des Stapelrechts an die Kölner Bürgerschaft durch den
Erzbischof Konrad von Hochstaden.
Dies hatte große Bedeutung für den Handelsplatz
Köln,
denn damit hatten Köln und die Kölner Kaufleute bis 1831 das
Umschlags-
und ein 3-tägiges Erstzugriffsrecht auf alle
insbes. auf dem
Transportweg Rhein, aber auch auf dem Landweg in Köln
zwangsweise umzuladenden Waren.
- 1262
Schlacht am Bayenturm der Kölner Bürger gegen den Erzbischof
Engelbert II, der verliert und später vertrieben wird. Der
Bayenturm (am Südende der Stadtmauer) wird zum Freiheitssymbol der
Kölner Bürger.
- 1268
Schlacht an der Ulrepforte; der Versuch des Erzbischofs, in die Stadt
zurückzukommen, wird von den Kölner Bürgern verhindert.
- 1288
Schlacht
bei Worringen mit dem Sieg der Kölner Bürger an der
Seite
des Herzogs von Brabant über ein Bündnis mit u. a. dem
Kölner Erzbischof/Kurfürsten, womit Köln de
facto Freie Reichsstadt wird, die ab 1390 auch zu Reichstagen
eingeladen
wird. Der Erzbischof (Siegfried von Westerburg, 1275-1297) verliert
die
weltliche Herrschaft
über die Stadt Köln (Residenzstädte des
Kurfürstentums
Kölns ("Kurköln") werden fortan Bonn und Brühl); die
Macht in der Stadt Köln geht an Patrizierfamilien
(die Geschlechter) über. Köln
bleibt aber Sitz des Metropolitan-Bistums.
- Ab dem 13.
Jhdt.
(1257 bis 1803) gehört der Erzbischof von Köln/Kurfürst von
Kurköln zu den 7 bedeutendsten Kurfürsten, die den
römisch- deutschen König
(mit der Anwartschaft auf das römisch-deutsche Kaisertum)
küren dürfen. Dies waren: Die Fürstbischöfe von
Köln, Mainz
und Trier, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der
Marktgraf von
Brandenburg und der König von Böhmen.
- 1334
Stifterurkunde für
eine Kartause des Kartäuserordens
(gegründet vom Hl. Bruno aus Köln) in der heutigen
Kölner
Südstadt, was dazu beitrug, dass Köln
eine starke Bastion
des
kath. Glaubens wurde.
- 1350-1550
Zeit der Kölner Malerschule (Altkölner Malerei), eine herausragende
Phase
künstlerischen
Schaffens in Köln (sozusagen Begründung der Kulturmetropole
Köln; Gemälde dieser Epoche im
Wallraf-Richartz-Museum).
- 1367
Hansetag im neugestalteten Rathaus (noch ohne Teilnahme
Kölns).
- 1383
Erste
Teilnahme
Kölns an einem Hansetag der Städte-Hanse, einem Bund der
Fernhandels-Städte
(Handelstage seit 1356, letztes Treffen 1669) .
- 1388
Gründung
der Kölner Universität (mit Prag, Wien
und
Heidelberg eine der ersten Unis im damaligen Reich und die erste von
der
Bürgerschaft begründete Uni
in
Deutschland).
Zwischen 1798 und 1919 war die Uni Köln zwangsweise geschlossen.
- 1396
Ende
der oligarchischen Patrizier- (Geschlechter-) herrschaft; die
22 Gaffeln (Wahlgemeinschaften
der Kaufleute und Handwerker für den Rat, davon 15 Gaffeln einer
oder
mehrerer Handwerkerzünfte, den sog. "Ämtern", übernehmen die Macht. Die Rechte der Kölner
Bürger ("Bürger"
im damaligen Sinne, nicht im heutigen demokratischen
Verständnis!) werden niedergelegt
im sog. Verbundbrief vom 14.09.1396 (= erste
städtische Verfassung!). Die Gaffeln übernehmen auch
die Verteidigungsaufgaben an der Stadtmauer.
- 1409
Die seit 1130
gesammelten Archivarien werden im Rathausturm untergebracht, der damit
zum Vorläufer des Historischen Archivs der Stadt Köln wird.
- 1424
Vertreibung
der Juden aus Köln, die seit dem Anfang des 4 Jhdt. in Köln
die größte jüdische Gemeinde in Deutschland hatten. Die
Synagoge inmitten des Judenviertels neben dem Rathaus wurde 1426 in die
Ratskapelle "St. Maria in Jerusalem" umgewandelt. Das Ansiedlungsvervot
für Juden endete
erst 1794 mit der Besetzung durch die Franzosen.
- Um 1442
Stephan Lochner fertigt sein Gemälde "Altar der Stadtpatrone", das
als Spiegelbild für das Selbstbewußtsein der Freien
Reichsstadt gilt und heute im Dom ausgestellt ist.
- 1447
Eröffnung
des mittelalterischen
repräsentativen Festhauses Gürzenich.
- 1474
Erstellung
einer ersten Stadtansicht von Köln. 1531 folgte der erste
monumentale Holzschnitt als Geschenk für den in Köln
gewählten
König Ferdinand, der in diesem Jahr mit Kaiser Karl V Köln
besuchte.
Aus 1571 stammt der berühmte Mercatorplan mit einer Draufsicht
auf die Stadt.
- 1474
Köln erhält das Münzrecht.
- 19.09.1475
Kaiser Friedrich III erhebt Köln mit dem Reichsstadtprivileg nun
auch
de jure zur Freien
Reichsstadt ("des heiligen Reiches freie
Stadt"); dieser Status bleibt bis zur Besetzung durch die Franzosen
1794 erhalten.
- 1505
und 1512
Reichstage mit
Kaiser Maximilian in
Köln.
- 1512/1513
Aufstand der Gaffeln gegen den Rat.
- Nach 1517
bleibt in Köln als einziger Reichsstadt und
anders als z. B. in Nürnberg
die
Reformationsbewegung Martin Luthers ohne Wirkung; Köln bleibt
katholisch.
- 1531
Besuch des Kaisers Karl V (Kaiser 1530 - 1556).
- 1553
Gründung
der Kölner Börse.
- Ab
1570 auf Plänen erstmals Darstellung des Kölner Bauers
(als Symbol
für die städtische Freiheit) und der Kölner Jungfrau
(als
Symbol für die Treue zum Reich), heute
Figuren des Dreigestirns im Kölner Karneval.
- 1583
- 1588 Kölnischer (Truchsessischer)
Krieg zwischen Truppen
des zum Protestantentum gewechselten und deshalb
abgesetzten Kölner
Erzbischofs/Kurfürsten Gebhardt Truchsess von Waldburg mit den siegreichen
katholischen und bayerisch-spanischen Truppen seines Nachfolgers Ernst
von Bayern. Hierbei
kam es im Juli 1586 zu einem greulichen Gemetzel der spanischen Truppen
gegen Privatleute im heutigen Stadtteil Köln-Junkerdorf. Der Sieg der katholischen Truppen verhinderte
die Verwandlung von Kurköln in ein
erbliches
protestantisches Fürstentum. Der Nordwesten des Reiches blieb
katholisch!
- 1618
Grundsteinlegung für das letzte repräsentative Bauwerk
im mittelalterlichen Köln, die Jesuitenkirche St. Maria
Himmelfahrt (Weihe 1678).
- 1618-1648
Köln bleibt im 30-jährigen Krieg neutral und wird auch nicht
erobert. 1632
wird Köln im Zuge des Krieges von den
Schweden bedroht (Besetzung des rrh. damals noch selbständigen
Deutz).
- 1686
Hinrichtung
des Nikolaus Gülich (nach der letzten Rebellion gegen
Misswirtschaft und Korruption
im Kölner Rat).
- Ende
17. u. 18. Jhdt. wirtschaftlicher Niedergang und
Verfall
der Reichsstadt.
- 1723-1761
Clemens August I von Bayern Erzbischof von Köln; er erbaut als
Kurfürst von Kurköln u.a.
die Brühler Schlösser
Augustusburg und Falkenlust.
- 1794
Franz.
Truppen besetzen Köln und beenden den Status Kölns als Freie
Reichsstadt. Der Dom wird bis 1801 für profane Zwecke genutzt.
- 1797
In Köln erhalten auch die Protestanten die Bürgerrechte.
- 1801
Eingliederung
des Rheinlandes und damit auch Kölns in den franz. Staatenverbund.
Die Kölner werden
französische Staatsbürger. Das Erzbistum
Köln und das
Kürfürstentum Köln werden aufgelöst.
- 1802
Säkularisation
durch die Franzosen mit Aufhebung aller
Klöster und Stifte und Einführung der Glaubensfreiheit. Der
kirchliche Besitz fällt an den Staat
und
wird größtenteils an Bürger verkauft. Die Kloster- und
Stiftskirchen (und damit die heutigen Romanischen Kirchen) werden in
Pfarrkirchen umgewidmet; 52 Kirchen werden abgerissen.
- 1814
Ende
der Franzosenherrschaft, Einmarsch der Preußen.
- 1815
Nach
dem Ende des "Heiligen römischen Reiches deutscher Nation" (1806)
fällt Köln auf dem Wiener Kongreß ab 1815 an
Preußen (Rheinprovinz),
wird
Festungsstadt und neben Berlin wichtigste Stadt Preußens
sowie mit der neuen Bistumsorganisation für Preußen ab
1821 auch
wieder Erzbistum (Ferdinand
August erster neuer
Erzbischof ab 1825).
*
Zum
Mittelalter
zählt im allgemeinen die Zeit vom Ende der Antike (Mitte des 5. Jhdt.)
bis um 1500.
**
Zur
Länge der mittelalterlichen
Stadtmauer hört und findet man Angaben zwischen 7,5 und 10 km
(jeweils mit Rheinseite). Mit Google gemessen sind es ca. 8,4
km!
Fotos
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GL
Köln
Stand: 28.01.2012