Kölner Wappen     Köln - die Rheinmetropole und alte Römerstadt    
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Kölner Stadtgeschichte
mit Kölns geschichtlichen Epochen


Das Römische Köln -  Köln (CCAA) zur Römerzeit 

mit Datensammlung zum Römischen Köln

überarbeitet:Nov. 2015
- Antike Geschichte
(Datensammlung)
Themenseite des privaten Web-Informations-Projekts "Köln - die Rheinmetropole und alte Römerstadt".  Dieses private Web-Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen!



Das römische Köln  - Rheinmetropole Köln (CCAA) zur Römerzeit
  Stadtgründung - Colonia (CCAA) - Germania Inferior - römische Stadtmauer und Straßen -  Divitia - Geschichtsdaten

0. Vorbemerkungen und Inhalt

Historisch und kulturell umfaßt die Stadtgeschichte Kölns - grob gegliedert - drei  Epochen. Diese geschichtliche Epochen Kölns werden in den nachfolgend genannten drei Themen-Seiten der Rubrik "Kölner Stadtgeschichte" dieses Internetauftritts näher beschrieben:

Römisches Köln
                                                                          
um 19 v. Chr. -  um 455 n. Chr.
ab 50 n. Chr. Status einer Colonia (Stadt römischen Rechts)
ab um 90 n. Chr. römische Provinzhauptstadt
zeitweise Kaiserresidenz
Mittelalterliches Köln um 455 - um 1500

mit mittelalterlichen Strukturen bis in die frühe Neuzeit (1794)
um 460 - 8. Jhdt. Residenzstadt der Franken
953 - 1288 Residenzstadt des Kurfürstentum Köln
ab 1288 de facto und ab 1475 bis 1794 de jure Freie Reichsstadt
Neuzeitliches  Köln - Köln heute
ab um 1500

1794 - 1814 Stadt mit französischer Besatzung
1815 - 1918  preußische Festungsstadt
ab 1918 republikanische Stadt, aktuell größte Stadt in NRW und viertgrößte in der BRD

Inhalt von "Das Römische Köln"

1.    Gründung Kölns und Entwicklung zur römischen Provinzhauptstadt
2.    Spätrömische Periode der CCAA und Übergang zum mittelalterlichen Köln
3.    Römische Infrastruktur: Römische Stadtmauer, Straßen und Wasserversorgung
4.    Divitia
5.    Statistische Daten

       mit  Einwohner- und Flächenentwicklung
D.   Datensammlung: Wichtige Geschichtsdaten zum Römischen Köln und dessen Umfeld
A1 
A2

Eines der kölschen Gesetze:
Jede Jeck is anders! oder wie es auf einer Demo gegen Fremdenfeindlichkeit mal entdeckt wurde: Jede Jeck is von woanders!
Diese kölsche Verhaltensregel ist eine Art Bekenntnisse zu Toleranz und Nachsicht dem anderen gegenüber und auch Toleranz gegenüber Fremden (Flüchtlingen).

 
  Objekte aus der historischen Epoche "Römisches Köln" werden in diesen
Kölner Museen
gezeigt:


Römisch-Germanisches Museum

Archäologische Exponate der Antike aus Köln und dem Rheinland von der Urgeschichte bis zum frühen Mittelalter
demnächst:
 Museum "Archäologische Zone/Jüdisches Museum"  P
Ausgrabungen um den Rathausplatz (mit Praetorium) und Fundstücke aus dem Jüdischen Köln
(Neubau in Vorbereitung)
P siehe hierzu aktueller Anhang: Pro Museum Archäologische Zone

Informationen und Fotos zu Bauwerken und Fundstellen der römischen Epoche Kölns siehe auch Themen-Seiten Kölner Bauwerke  und Kölner Denkmäler.


1. Gründung Kölns und Entwicklung zur römischen Provinzhauptstadt 

Das römische Köln ist vermutlich um 19 v. Chr. (früher meinten manche 38 v. Chr.) als Siedlung "Oppidum Ubiorum" * gegründet worden und ist damit die älteste Stadt Deutschlands. Trier, das sich selbst als älteste Stadt bezeichnet, ist als römische Siedlung mit dem Namen Augusta Treverorum um 16 v. Chr. gegründet worden. Allerdings gab es um 30 v. Chr. im dortigen Gebiet für kurze Zeit ein römisches Militärlager, aus dem sich aber anders als in Köln nicht die spätere Stadt Trier entwickelt hat, während sich Köln kontinuierlich aus der Ubier-Siedlung über die spätere Colonia (Stadt römischen Rechts) bis zur heutigen Millionenstadt entwickelte.

Die römische Epoche Kölns lässt sich grob aufteilen in die Perioden

1.1 Gründungsphase

Um 39/38 und 20/19 v. Chr. war
Agrippa  (63 - 12 v. Chr.) Statthalter in Gallien. Marcus Vipsanius Agrippa war ein Feldherr sowie Vertrauter und Schwiegersohn des Octavian, dem Begründer des Prinzipats und damit der späteren römischen Kaiserzeit, der von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr. unter dem Ehrentitel "Augustus" (= der Erhabene) als Princeps das Römische Imperium regierte. Das Grenze zu dem rechtsrheinischen Germanengebiet, von den Römern "Germania Magna" (Großes Germanien) genannt, bildete der Rhein als Niedergermanischer Limes. Unter Leitung Agrippas siedelten die Römer die aus dem rechtsrheinischen Lahngebiet stammenden Ubier in ein neues Stammesgebiet, eine "Civitas" (Verwaltungsbezirk), auf der linken Rheinseite um. Die mit den Römern verbündeten Ubier sollten den Limes gegen die Germanen verteidigen. Auf einem vermutlich unbesiedelten hochwassersicheren Hügel am linken Rheinufer im Gelände der späteren römischen Colonia und damit im Zentrum der heutigen linksrheinischen Kölner Altstadt gründeten die Römer die römische Siedlung "Oppidum Ubiorum" (Zivile Siedlung der Ubier) als Hauptort der Civitas. Heute nimmt man überwiegend und als gesichert an, dass die Gründung der Ubiersiedlung in der zweiten Statthalterperiode Agrippas - also um 19 v. Chr. - erfolgt ist. 

Diese Siedlung bauten die Römer im Auftrag des Augustus ab ca. 7 v. Chr. zu einem urbanen Ort aus, der später Provinzhauptstadt werden sollte und auch wurde (siehe Ziffer 1.3), wobei hierbei zunächst an eine große Provinz mit dem gesamten Germanengebiet gedacht war. Hierzu gehörte auch, dass die Römer in dieser Siedlung ab ca. 9 v. Chr. das Heiligtum "Ara Ubiorum" (Altar der Ubier für die Göttin Roma und den Augustus - ein Altar des Kaiserkults - ) errichteten (vermutlich im Gelände des heutigen Gürzenich und Alt St. Alban). Aus dieser Gründerzeit stammt  auch das sogenannte Ubier-Monument, das älteste steinerne Bauwerk und Denkmal der Stadt. Dieses antike Bauwerk  wurde von den Römern um 5 n. Chr. erbaut und vermutlich zunächst in eine erste Holz-/Erde-Umwallung des Oppidum Ubiorum und ist später in die Süd-Ost-Ecke der steinernen römischen Stadtmauer integriert worden. Nach der von den Römern unter dem Heeresführer Varus 9 n. Chr. gegen die rechtsrheinisch siedelnden Germanen unter dem Cheruskerfürst Arminius verlorenen "Varus-Schlacht" (vermutlich bei Kalkriese im Osnabrücker Land, früher auch "Schlacht im Teutoburger Wald" genannt) und nach dem Tod des Augustus (14 n. Chr.) wurden 16 n. Chr. die Expansionspläne in das rechtsrheinische Germanengebiet aufgegeben. Das Oppidum Ubiorum blieb jedoch ein zentraler Verwaltungs- und Kultort für die Römer und war fortan wichtiger Grenzort am Rhein, Sitz des Heeresführers des Niedergermanischen Heeres und zeitweise (im frühen 1. Jhdt. n. Chr.) Legionslager (Castrum) mit einem festen Winterlager der I. und der XIX. (oder XX. ?) Legion. Der Standort des Lagers befand sich vermutlich im Gebiet um den heutigen Breslauer Platz am heutigen Kölner Hauptbahnhof. Insges. waren im 1. Jhdt. zunächst 4 Legionen und danach 2 Legionen am Niederrhein stationiert (zu einer Legion gehörten 6000 Soldaten unter Leitung eines Legatus Legionis). 

Etwa 3,5 km südlich der römischen Siedlung und der späteren Stadt wurde Mitte des 1. Jhdt. n. Chr. (um 17 n. Chr. ?) auf einem hochwassersicheren Hügel das römische "Flottenlager Alteburg"  im heutigen südlichen Stadtteil Köln-Marienburg gegründet (Alteburg ist der heutige Flurnamen des Geländes an der Straße An der Alteburger Mühle). Es war das einzige Flottenlager auf deutschem Boden. Hier war bis in die 2. Hälfte des 3. Jhdt. die zentrale Kriegsflotte "Classis Germanica" zur Sicherung der Rheingrenze stationiert.

Die Gründer Kölns sind
Oftmals wird wegen ihrer Beteiligung an der Verleihung des Rangs einer Colonia auch Agrippina als Stadtgründerin genannt.

1.2 Die römische Colonia


Im Jahr 50 n. Chr. erhielt das Oppidum Ubiorum durch den römischen Kaiser Claudius den Status einer Colonia *, eine Stadt römischen Rechts, mit dem Namen

"Colonia Claudia Ara Agrippinensium" (abgekürzt: CCAA)
(frei übersetzt: "Stadt römischen Rechtes und  Stadt der Agrippinenser, unter Kaiser Claudius gegründet am Ort des Altars  des Kaiserkults") .

Die Römer nannten ihre Stadt später wohl nur kurz (Colonia) Agrippina. Die Bewohner (auch die Ubier) nannten sich fortan Agrippinenser. Aus der römischen Bezeichnung Colonia Claudia Ara Agrippinensium entwickelten sich nachantik die Kurzform Colonia - so nannten die Franken die Stadt -, im Mittelalter die Bezeichnungen Coellen und Coeln (am Rhein) bzw. lateinisch Colonia Agrippina sowie in der jüngeren Neuzeit Cöln - ab 1919 mit der heutigen Schreibweise Köln - und mundartlich Kölle.

Die Verleihung dieses höchsten Stadtrechts im römischen Kaiserreich hatte
Agrippina, Urenkelin des Augustus und seit 49 n. Chr. Frau des römischen Kaisers -
ihres OnkelsClaudius, bei ihrem Ehemann veranlasst und auch ihren Namen im Stadtnamen verewigt. Deshalb wird sie häufig als eigentliche Stadtgründerin Kölns genannt. Der Rang einer Colonia im römischen Kaiserreich wurde nur an wenige Städte in den Provinzen verliehen, davon 4 im heutigen Deutschland: Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA) (Köln) und Colonia Ulpia Traiana (CUT) (Xanten) in der Provinz Germania Inferior, Augusta Treverorum (Trier) in der Provinz Gallia Belgica und Augusta Vindelicorum (Augsburg) in der Provinz Raetia. Die CCAA, das antike Köln, war die einzige Stadt im antiken römischen Imperium, die nach einer Frau benannt worden war!

Agrippina die Jüngere
war am 06.11.15 n. Chr. in der späteren CCAA geboren worden. Agrippina  war eine Tochter des Heeresführers Germanicus und dessen Frau Vipsania Agrippina (Agrippina die Ältere). Germanicus war ein Bruder des späteren Kaisers Claudius (Kaiser 41 - 54 n. Chr.). Agrippina war eine Schwester des späteren Kaisers Caligula (Kaiser 37 - 41 n. Chr.) und Mutter des späteren Kaisers Nero, einem Sohn aus einer früheren Ehe. Seit 49 n. Chr. war sie, wie schon erwähnt, Ehefrau des Kaiser Claudius. Ihr Sohn Nero, den Agrippina nach dem Tod von Claudius zum Kaiseramt lancierte (Kaiser 54 - 68),  ließ seine Mutter im Jahr 59 ermorden.

Mit der Erhebung der Siedlung zu einer Bürger-Colonia begann im 1. Jhdt. eine enorme Entwicklung und ein weiterer Aufschwung
des antiken Köln. Die CCAA stand nun in der Städte-Hierarchie im Imperium ganz oben (" auf einer Ebene mit Karthago und Pompeji", wie es der Direktor des RGM formulierte/Zitat KStA 26.11.2015). Die Bürger in der CCAA waren den Römern gleichgestellt. Diese Bürger-Kolonie lockte Händler, Handwerker und  Veteranen der römischen Heere aus dem gesamten Imperium an. Die CCAA war in ihrer Glanzzeit im 2. und 3. Jhdt. n. Chr. eine der bedeutendsten Städte des Römischen Imperiums und lange dessen größte Stadt nördlich der Alpen (um 300 wurde dies das mittlerweile Treveris genannte heutige Trier). In der Ausstellung "Krieg und Frieden" des Rheinischen Landesmuseums Bonn (in 2007) wurde das wie folgt beschrieben: "Köln wurde zu einer blühenden Stadt und zum Motor der Romanisierung, die durch die Zuwanderung aus allen Teilen des Imperiums und dem daraus resultierenden inernationalen Flair noch verstärkt wurde."  Im ARTE-TV-Film "Die Germanen (3.)" (in 2008) hieß es: "Köln ist in der Antike die größte Stadt nördlich der Alpen. Im 3. Jhdt. steht die Colonia Agrippina in voller Blüte - ein Abbild Roms im Kleinen. ... Bis zu 40000 Menschen - Einheimische und Römer - leben friedlich zusammen." Und bei einem Besuch der Ausgrabungen des Forum Romanum in Rom - dem Zentrums des antiken Roms - bemerkte der Kölner Besucher an Schautafeln mit den Imperiumsgebieten in den Epochen des Römischen Imperiums, dass "Colonia" dort als wichtiger Standort in der Kaiserzeit n. Chr. aufgeführt ist und somit in die römische Geschichte eingebunden war. Diese Bedeutung setzte sich hierauf aufbauend in den folgenden historischen Phasen fort.

Das römische Köln wurde im Zuge dieser Entwicklung ein bedeutender Fernhandelsplatz mit Gütertransport aus dem gesamten Imperium, was auch anhand der in der Ausstellung "ZeitTunnel. 2000 Jahre Köln im Spiegel der U-Bahn- Archäologie" (Römisch-Germanisches Museum/2013) gezeigten Fundstücken zu erkennen war. Als Transportwege dienten in erster Linie der Rhein und das Netz der Fernstraßen. In der genannten Ausstellung war auch ein wertvolles Fundstück der Ausgrabungen im Zuge des U-Bahn-Baus zu sehen: ein Teil eines der für den Warentransport über den Rhein benutzten Plattenbodenschiffen (Prahm) - gefunden im alten Hafen im Bereich des heutigen Alter Markt -. Zur üblichen Ausstattung von Städten wie die CCAA gehörten Thermen, ein Amphitheater oder eine Arena. Hiervon ist (anders als in z. B. in Trier) in Köln leider nichts erhalten geblieben bzw. bisher gefunden worden. Die Thermen vermutet man im Gelände der heutigen Kirche St. Cäcilien/Museum Schnütgen. Hingegen sind Teile der römischen Stadtmauer und des Statthalterpalasts (Praetorium) erhalten geblieben.

Die zentralen Orte der Colonia waren
  • das Praetorium, der Palast und Sitz des Statthalters und politisches Zentrum der Colonia,  am Standort des heutigen Kölner  Rathauses (westlich vom heutigen Alter Markt),
  • das Zentrale Heiligtum "Ara Ubiorum" vermutlich im Gelände des heutigen Gürzenich und Alt St. Alban,
  • das Forum westlich des Heiligtums,
  • der Kapitoltempel, das religiöse Zentrum der Colonia in der Süd-Ost-Ecke der römischen Stadt, auf  dessen Fundament im Mittelalter die Romanische Kirche St. Maria im Kapitol errichtet worden ist.
Die sogenannten einfachen Bürger wohnten im römischen Köln in Wohnblöcken innerhalb der Insulae (Inseln) in dem rechteckig angelegten innerstädtischen Straßennetz. Die reicheren Bürger bauten sich zum Teil prächtige Paläste wie z. B. denjenigen, der heute vom Römisch-Germanischen Museum nachgebildet wird und dessen prächtiges Dionysos-Mosaik ein Fußboden in dem Palast war.

Römisches Köln/Agrippa
 Agrippa
(Skulptur im Louvre)
Freigabe Urheber: shakko
 Römisches Köln/Agrippa
Agrippa
(Figur am Rathausturm) 
Römisches Köln/Augustus (Denkmal in Rom)
Augustus (Princeps 27 v. - 14 n. Chr.)
(Denkmal in Rom) 
Römisches Köln/Claudius
Claudius (Kaiser 41 - 54)
Römisches Köln/Agrippina d. Ä. (Skulptur im Louvre)
Agrippina die Ältere
(Skulptur im Louvre)
Freigabe Urheber: Uploaded on the English Wikipedia,4 June 2004, by ChrisO
Römisches Köln/Agrippina
Agrippina die Jüngere
(Skulptur am Rathausturm)  

Bei der Ernennung zur Colonia umfaßte das zu dieser Zeit neu vermessene römische Köln ca. 97 ha. Später bildeten sich vor den Toren der Stadt Vorstädte ("Suburbium") - vor allem im Süden -. Außerhalb der Stadtmauer wurden nach römischer Tradition auch die Gräberfelder angelegt, die zum Teil ausgegraben worden sind (u. a. unter der Romanischen Kirche St. Severin). Die Einwohnerzahl Kölns in der Glanzzeit  der römischen Phase (1. Hälfte 3. Jhdt.) wird auf ca. 20.000 (bis nach manchen  Quellen 40000) geschätzt.  (Hinweis: Alle Einwohnerzahlen vor dem späten Mittelalter sind als grobe Schätzungen anzusehen. Genauer sind hingegen die Flächenangaben.)


Auf der der befestigten CCAA vorgelagerten frühzeitlichen Rheininsel (oder Halbinsel) - zwischen Rhein und einem Nebenarm des Flusses und damit außerhalb der von der Stadtmauer gesicherten Colonia - gab es vom 1. bis Mitte 2. Jhdt n. Chr. eine Palaestra (Sportanlage) mit einem Wasserbecken und ab Mitte 2. Jhdt. vier dreischiffige Horrea (Lagerhäuser) mit einem großen Hofraum. Über den Fundamenten des südöstlichen dieser Lagerhäuser wurde im Mittelalter die dreischiffige Romanische Kirche Groß St. Martin erbaut. Dieser Rheinarm ist ab vermutlich Mitte des 2. Jhdt. allmählich verlandet und wurde aufgeschüttet (im Gelände um die heutigen großen Plätze Alter Markt und Heumarkt). Ein dort vorhandener Hafen musste an den Strom verlegt werden. Spätestens um 940 ist dieses Gelände zur ersten urbanen Stadterweiterung des Mittelalterlichen Köln genutzt worden. Nach neueren Ausgrabungsergebnissen dürfte diese östliche Erweiterung jedoch schon in spätrömischer Zeit erfolgt oder zumindest begonnen worden sein (in der 2. Hälfte des  4. Jhdt. oder sogar schon zum Zeitpunkt des Baus der röm. Rheinbrücke um 310).  Die Fläche wuchs damit von 97 auf ca. 120 ha.

In den Wirren im römischen Kaiserreich nach dem Selbstmord des Kaisers Nero (68) wurde im Jahr 69 n. Chr. in der Colonia der militärische Befehlshaber Vitellius zum Kaiser ausgerufen und wurde einer der Kaiser im "Vier-Kaiser-Jahr". Die Wirren im Reich nutzten die germanischen Bataver 69 zu einer Aufstand gegen die Römer, der jedoch 70 wieder endete. Danach blühte die CCAA weiter auf und die Zuwanderung aus dem Imperium nahm zu.

1.3 CCAA als Provinzhauptstadt in Germania Inferior

Um 90 n. Chr. wurden unter Kaiser Domitian (81 - 96 n. Chr.) mit desssen Verwaltungsreform die kaiserlich-römischen Provinzen Nieder- und Ober-Germanien gegründet. Die inzwischen mächtige Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA), Sitz des Heeresführers des Niedergermanischen Heeres, wurde um 90 n. Chr. Hauptstadt der römischen "Provincia Germania Inferior(Provinz Nieder-Germanien). (In den Ausgrabungen des Praetoriums als Außenstelle des Römisch-Germanischen Museums wird als Gründungsjahr dieser Provinzen das Jahr 85 n. Chr. genannt). Haupstadt der Nachbar-Provinz "Germania Superior" (Ober-Germanien) wurde Moguntiacum (das heutige Mainz). Die Provinz Nieder-Germanien umfasste das linksrheinische Gebiet des heutigen nordwestlichen Deutschlands und der heutigen Niederlande sowie Teile des heutigen Belgien mit dem Rhein als östliche Grenze. Diese Grenze verlief von Katwijk an Zee an der Nordsee im Norden bis zur Mündung des Vinxtbach beim heutigen Ort Bad Breisig südlich von Remagen im Süden. Die jetzt nur noch 2 Legionen am Rhein waren im Castra Vetera II (beim heutigen Xanten) und im Castra Bonna (Bonn) zur Bewachung der Ostgrenze untergebracht. Geführt wurde die Provinz von einem Statthalter als Verantwortlichem für die zivile Verwaltung (Kaiserkult, Polizeigewalt und oberste richterliche Instanz) und zugleich als Oberbefehlshaber der in der Provinz stationierten Legionen in direkter Vertretung des Kaisers. In den für das Imperium äußerst wichtigen Grenzprovinzen Nieder- und Ober-Germanien mit mehreren Legionen waren die Statthalter (Titel: "Legatus Augusti Pro Praetore") stets ehemalige Konsuln. Der Statthalter von Nieder-Germanien residierte im Praetorium, einem prächtigen Palast an der gleichen Stelle, an der heute das Kölner Rathaus steht. Köln wird also seit 2000 Jahren von der gleichen Stelle aus geführt - ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in Europa -. Das Kölner Praetorium, einer von rund 50 Statthalterpalästen im römischen Reich,  war eines der größten römischen Gebäude nördlich der Alpen. 

Der vom Rhein gebildete Niedergermanische Limes war die Flussgrenze der Provinz Germania Inferior des römischen Reichs zu den rechtsrheinischen germanischen Gebieten. Dieser Limes wurde ab dem späten 1. Jhdt. vor Chr. von der Nordseemündung des Rheins (des sog. Alten Rheins) bei Katwijk aus durch etliche linksrheinische Kastelle (ab dem frühen 4. Jhdt. auch durch das vorgelagerte rechtsrheinische Kastell Divitia im heutigen rechtsrheinischen Köln-Deutz) gesichert. Er endete ab um 100/120 an der Rhein-Mündung des Vinxtbachs bei Bad Breisig (südlich von Remagen/Bonn), der Grenze zwischen den Provinzen Nieder- und Ober-Germanien. Entlang dieser Grenze verlief die lrh. Limesstraße. Von der vorgenannten Provinz-Grenze aus wurde im 2. Jhdt. der rechtsrheinische Obergermanisch-Raetische Land-Limes erstellt, der vom rrh. Rheinbrohl aus östlich des Rheins quer durchs Gelände bis zum Kastell Eining in Nähe Regensburg an der Donau führte. 

Der Niedergermanische Limes entlang des Rheins (Länge: 385 km) soll zukünftig Teil der bestehenden internationalen UNESCO-Welterbestätte "Grenzen des Römischen Imperiums" werden. Welterbestatus haben bereits Hadrians- und Antoninuswall in Großbritannien sowie der Obergermanisch-Raetische Limes in Deutschland. Damit würden auch die Kastelle/Legionslagern (Castra) Vetera (in Xanten), Novaesium (in Neuss), Divitia (im rrh. Köln-Deutz) und Bonnensis (in Bonn) sowie die Provinzhaupstadt CCAA mit dem Praetorium (in Köln) und der zentrale Stützpunkt der Rheinflotte (Classis Germanica) Alteburg (in Köln-Marienburg) in diese UNESCO-Welterbestätte einbezogen.

Römisches Köln/Skizze 1./2. Jhdt.
Das frühe römische Köln
(ältere Modellskizze; heute geht man bei der Insel zumeist von einer Halbinsel aus.)
Römisches Köln/Bodenplatten
Bodenplatten
 im Kölner Zentrum auf den Gehwegen

entlang der Trasse der römischen Stadtmauer 

Römisches Köln/Skizze 4. Jhdt.

CCAA nach 310
(mit Brücke zum Castell Divitia)
Römisches Köln/Skizze 4. Jhdt. mit heutigen Standorten
CCAA im 4. Jhdt.
(mit Markierung heutiger Bauwerke/Orte)
Römisches Köln/Weiterentwicklung
Weiterentwicklung der römischen Stadt
im Mittelalter

2. Spätrömische Periode der CCAA und Übergang zum mittelalterlichen Köln

Im Imperium Romanum entwickelten sich die römischen Städte ab um 200 v. Chr. und verbreiteten sich von Italien aus vor allem nach Nordafrika und Mitteleuropa. Das erste bis dritte Jahrhundert war die Blütezeit der antiken römischen Städte. Römerstädte in Deutschland entstanden insbesondere an Rhein und Donau (u. a. die heutigen Städte Xanten, Neuss, Köln, Bonn, Koblenz, Mainz, Trier, Augsburg, Regensburg, Straubing und Passau) Im 5. Jhdt. verfielen die meisten dieser Städte. Nur in Köln, Augsburg, Regensburg und Trier ist eine durchgehende Städtestruktur erhalten geblieben. Am Anfang der Neuzeit (16. Jahrhundert) waren Köln und Prag mit ca. 40.000 Einwohnern die größten mitteleuropäischen Städte.

259/260 bildete der Ursupator Postumes in Köln unter Loslösen vom römischen Imperium - auch zur Abwehr der Germanen - ein Sonderreich innerhalb des römischen Reiches, das sog. "Imperium Galliarum" (gallisches Sonderreich), das die Provinzen Germania Inferior (Nieder-Germanien), Germania Superior (Ober-Germanien), Gallia, Britannia, Hispania (Spanien) (bis ca. 269) und Raetia (bis um 265) umfasste. Postumus wurde auch erster Kaiser dieses Reiches (Residenzstadt: zunächst die CCAA, das heutige Köln). Nach Ermordung des Postumus um 269 verlor das Imperium Galliarum zunehmend die Kontrolle über das Reich. Seine Nachfolger verwalteten den Rest dieses Reiches. Die Residenz wurde ca. 271 nach Treveris (heutiges Trier) verlagert. Ca. 274 zerfiel das gallisches Sonderreich und die Provinzen wurden wieder in das Imperium eingegliedert.

In der spätrömischen Phase, die nach allgemeiner Ansicht mit dem römischen Kaiser Diocletian (Kaiser ab 284) anfängt, wurde die CCAA ab Ende des 3. Jhdt. zunehmend durch Germanenüberfälle bedroht. Zum Schutz wurde um 301 das Militär-Kastell Divitia auf der rechten Rheinseite gegründet. Mit der Reichsreform des Kaisers Diocletian (284 - 305), der Tetrarchie (= Aufteilung in ein West- und ein Ostreich mit  4 Präfekturen sowie 2 Seniorkaiser (Augustus) und 2 Juniorkaiser (Caesar)),  wurde die CCAA um 300 Hauptstadt der neu gegründeten Provinz "Germania Secunda"Spätestens seit dem Beginn des 4. Jhdt. ist Köln Bischofssitz, was für die spätere Entwicklung der Stadt von großer Bedeutung war. Nach dem Überfall durch die Franken 355 mit Rückeroberung kurz danach ging zum Ende des 4. Jhdt. das urbane Leben weiter. 

Nach der Trennung des Römischen Imperiums in ein West- und ein Oströmischen Reiches (395) kam es zu einem fortschreitenden Zerfall des Weströmischen Reiches. Im Zuge dieses Zerfalls zogen die Römer nach 400 aus Germanien ab. Die Auflösung des Weströmischen Reiches erfolgte schließlich mit dem Sturz des letzten Kaisers 476. Ab um 420 wurde die Colonia zunehmend eine fränkische Stadt und wurde um 455 von den Franken besetzt und Königssitz des fränkischen Teilkönigreiches der ripuarischen Franken (Rheinfranken) (1. König ab um 460/470: Sigibert von Köln). Viele der Romanen (= Nachfolger der provinzionalen römischen Bürger) blieben aber hier wohnen. Die Franken behielten die römischen Verwaltungsstrukturen und auch Latein als Amtssprache bei. Die heutigen Kölner sind also - ethnisch gesehen - fränkischen Ursprungs mit großen Anteilen römischen Bluts. 507 fiel das fränkische Teilreich an das 482 durch Chlodwig I begründete Frankenreich der Merowinger. (Chlodwig  soll in Köln als Herrscher aller Franken ausgerufen worden sein.)

Das römische Köln erlebte als eine der ganz wenigen hiesigen römischen Städte einen nahtlosen Übergang von der antiken Stadt in eine frühmittelalterliche Stadt und ein frühmittelalterliches Handels- und kirchliches ZentrumIndizien hierfür sind u. a., dass der Cardo Maximus als wichtigste Strasse der Stadt nach neueren Ausgrabungsergebnissen noch bis in's  5. Jhdt. repariert worden ist, dass die kirchliche Organisation nicht zusammenbrach (siehe Daten der Vorläuferbauten des Kölner Doms) und dass nach neueren Ausgrabungsergebnissen die erste Stadterweiterung des Mittelalterlichen Köln schon in spätrömischer Zeit erfolgt oder zumindest begonnen worden ist (vermutlich in der 2. Hälfte des  4. Jhdt.). Mit dieser Kontinuität aller Strukturen in Köln unterscheidet sich die Stadt von fast allen anderen vergleichbaren deutschen Römerstädten inkl. Trier als Provinzhauptstadt Galliens und zeitweise spätrömische kaiserliche Residenzstadt und Mainz als eine der zwei Provinzhauptstädte Germaniens. Mit dieser Kontinuität begründet sich vermutlich auch der spätere Aufstieg des Mittelalterlichen Köln zu einer der mittelalterlichen Metropolen im Römisch-deutschen Reich und in Europa. Wie schon erwähnt, ist neben Köln nur für Augsburg, Regensburg und mit Einschränkung Trier ein durchgehende Städtestruktur der antiken Stadt belegt.

3. Römische Infrastuktur: Römische Stadtmauer, Straßen, Wasserversorgung

In der römischen Städtehierarchie stand die die Colonie * ganz oben. Für die Funktion römischer Städte und vor allem der bedeutendsten Städte waren der miltärische Schutz, der Ausbau des Straßennetzes und dessen Anbindung an das Fernstraßennetz und die Wasserversorgung entscheidend. Hierbei erwiesen sich die Römer als hervorragende Bauherren. Dem Schutz der großen Städte dienten mächtige Stadtmauern.   

3.1 Stadtmauer

Das
Oppidum Ubiorum (ab um 19. v. Chr.) im Gelände der späteren Colonia war vermutlich im Verlauf mit einer Holz-/Erde-Umwallung gesichert worden. Mit der Erhebung zur Colonia (50 n. Chr.) wurde die CCAA - wie im Imperium üblich - nach dem Vorbild Roms ausgebaut (zum Zeitpunkt Vespasians, Kaiser 69 - 73,  etwa ein Fünftel der Größe Roms). Römerstädte wie die CCAA waren Abbilder von Rom. Die CCAA erhielt als Verteidigungs-Bauwerk eine knapp 4 km lange und ca. 8 m hohe Stadtmauer mit
  • 9 (11) Stadttoren (1 im Norden, 3 im Westen, 2  im Süden und 3 (bis 5) kleinere im Osten zum Hafen/Rhein) sowie
  • 19 runden Wehrtürmen und 1 großen quadratischen Turm in der SO-Ecke (Ubier-Monument)
mit  Graben vor der Mauer. Sie ist nach neueren Erkenntnissen aus  Ausgragungen beim U-Bahn-Bau (Zitat: Dr. Trier, RGM Köln) ab um 90 n. Chr. gebaut worden (frühere Schätzungen: um 50 bis 70 n. Chr.). Die römische Stadtmauer umfasste die römische Colonia und damit das Kerngebiet innerhalb der späteren größeren mittelalterlichen Stadt, deren Grenze der Verlauf der heutigen Ringstraße nachbildet. Das römische Straßennetz und die Trasse der späteren mittelalterlichen Mauer prägen noch heute die Struktur der Kölner Innenstadt.

  Die römische Mauer verlief - grob geschildert anhand der Altstadt des heutigen Kölner Stadtzentrums - in folgenden Trassen:
  • Ostmauer am Fuße des hochwassersicheren Hügels, auf dem die Colonia gebaut worden ist, von der SO-Ecke Mühlenbach/An der Malzmühle östlich vorbei an St. Maria im Kapitol (in römischer Zeit der Kapitolshügel), westlich vom  Heumarkt, westlich vom Alter Markt am Fuß des dort noch gut erkennbaren Hügels und östlich einer ehemaligen großen römischen Villa (heute nachgebildet vom Römisch-Germanischen Museum) an der NO-Ecke (Auf dem vorgenannten Hügel steht heute das Rathaus - Nachfolger des römischen Praetorium -; die Mauertrasse verläuft unterhalb des historischen mittelalterlichen Teils des heutigen Rathauses.)
  • Nordmauer nördlich vom Dom aus entlang des Straßenzugs Komödienstraße/Burgmauer und südlich des Zeughauses (Kölnisches Stadtmuseum)
  • Westmauer vom Wehrturm an der NW-Ecke, heute "Römerturm" genannt, aus in südlicher Richtung östlich vorbei an St. Aposteln,  westlich vom Neumarkt,  entlang der Clemensstraße und östlich des Mauritiussteinwegs bis zur SW-Ecke,
  • Südmauer entlang des Straßenzugs der sog. "Bäche" bis zur SO-Ecke Mühlenbach/An der Malzmühle (Dort befindet sich in einem Keller eines Hauses das Ubier-Monument.)
 Von dieser römischen Stadtmauer sind als Kultur-Denkmäler im Stadtbild erhalten: 
Diese Denkmäler werden leider größtenteils vernachlässigt und nicht angemessen gepflegt. Sie werden überwiegend den Kölner Bürgern und den vielen Besuchern der Stadt nicht angemessen oder gar nicht  präsentiert. Siehe hierzu Mängelliste Kölner Denkmäler  

Bei der ersten urbanen Stadterweiterung Kölns, die nach neueren Ausgrabungsergebnissen vermutlich schon in der spätrömischen Phase begann, ist die Römermauer wohl im Norden und Süden bis zum Rhein verlängert worden. Die römische Stadtmauer erfüllte bis zur zweiten Stadterweiterung des Mittelalterlichen Köln (1106) ihre Verteidigungs-Funktion und verfiel danach allmählich. Im Mittelalter wurden Mauerteile zum Teil in die Bebauung integriert. So bildete sie z. B. die östliche Begrenzung des Stifts St. Aposteln am Neumarkt, was durch eine (heute zugemauerte) Tür, die von der Maueroberkante in die Stiftskirche führte, zu erkennen ist  (siehe Fotos unter Romanische Kirchen).

3.2 Straßen 

Römische Straßen in Köln:

Eine der großen Stärken im römischen Imperium waren der Bau eines weitreichenden und gutorganisierten Straßennetzes. Die Straßen innerhalb der CCAA bestanden nach dem Vorbild Roms aus einem Gebilde mit senkrecht zueinander angelegten Stra
ßen mit einer Nord-/Süd-Hauptstraße ("Cardo Maximus") und einer Ost-/West-Hauptstraße ("Decumanus Maximus"). Der Verlauf dieser Straßen ist noch heute mit den Trassen von Hohe Straße bzw. Schildergasse zu erkennen. Der Cardo Maximus hatte eine nutzbare Straßenbreite von 22 m (lt. Angabe an der Ausgrabung einer röm. Hafenstraße in Nähe Dom; heutige Hohe Str. ca. 6 m). An das römische Fernstraßennetz war die CCAA mit je einer Straße nach Norden, Westen, Süd-Westen und Süden eingebunden. Die in manchen Skizzen erwähnte Straße nach Nord-Westen hatte wohl nur regionale Bedeutung als Landstraße.

Die römische Nord-Süd-Fernstraße aus Richtung Nijmegen/Nimwegen (Noviomagus) und Xanten (Colonia Ulpia Traiana)
und führte nach Süden über Koblenz (Confluentes) und Mainz (Moguntiacum) (= Hauptstadt Germania Superior/Ober-Germaniens) und weiter in Richtung Italien/Rom.

Die
Straße nach Westen
verlief über den Decumanus Maximus (heutige Schildergasse) und verließ die Stadt über die heutige Aachener Str. (zu römischer Zeit ebenfalls eine Gräberstraße) und führte über Jülich (röm. Siedlung Juliacum) und das belgische Tongeren (Atuatuca Tungrorum) in Richtung des heutigen Nordfrankreich bis zur Atlantikküste bei Boulogne-sur-Mer. Eine weitere römische Straße nach Süd-Westen verließ die CCAA südwestlich über die heutige Luxemburger Straße (B 256) und führte über Zülpich (Tolbiacum), Trier (Augusta Treverorum, später Treveris), Lyon (Lugdunum) zum Mittelmeer mit einer Abzweigung in Zülpich in Richtung des römischen Reims (Durocortorum).  Innerhalb der Regionale 2010 ist mit dem Projekt "Erlebnisraum Römerstraße" die regionale römische Geschichte des Rheinlandes für die Bürger greifbar gemacht worden.

Römische Fernstraßen von/nach Köln:
Die an der Nordsee beginnende Limestraße verlief entlang des Rheins, dem Niedergermanischen Limes. Ab um 100/120 endete der Rhein-Limes an der Rhein-Mündung des Vinxtbachs bei Bad Breisig (südlich von Bonn/Remagen), der Grenze zwischen den Provinzen Nieder- und Ober-Germanien. Von dieser Provinz-Grenze aus wurde im 2. Jhdt. der rechtsrheinische Obergermanisch-Raetische Land-Limes erstelltInnerhalb des heutigen Köln verlief die Limesstraße über folgenden Straßenzug (Norden > Süden):  Neußer Landstraße, Neußer Straße, Eigelstein, Marzellenstraße, dort durch das Nordtor der römischen Stadtmauer, Hohe Straße, Hohe Pforte, dort durch das Südtor der römischen Stadtmauer, Severinsstraße, Bonner Straße.

Außerhalb der Stadtgrenze wurden entlang der Fernstraßen zahlreiche Grabdenkmäler errichtet, da die Römer die Toten außerhalb der Stadt beerdeten. So wurde das prächtige riesige Poblicius-Grabmal, das heute ein Kernstück im Römisch-Germanischen Museum ist, am heutigen Chlodwig-Platz an der früheren römischen Fernstraße nach Bonn gefunden.

Zu empfehlen ist das Projekt "Erlebnisraum Römerstraße" des Landschaftsverband Rheinland.

3.3 Wasserversorgung

Mit Gründung der CCAA musste das römische Köln mit Frischwasser versorgt werden. Es musste also wie zu anderen Metropolen im römischen Imperium eine Wasserleitung gebaut werden.
Die Quelle der ersten Baustufe der Wassserleitung ("Vorgebirgskanal") lag  im Vorgebirge westlich von Köln vor den Toren der Stadt. Die Quelle der zweiten  Baustufe ("Eifelkanal") wurde  in der Eifel bei  Nettersheim, also weit entfernt von der CCAA, gefunden.

Vom Vorgebirge aus wurde die erste Leitung zur CCAA erstellt - der "Vorgebirgskanal" - . Durch das schnel
le Wachstum reichten aber bald Menge und Qualität des Wassers nicht mehr aus, um die antike Großstadt zu versorgen. Um 80 n. Chr. wurde daher die neue Leitung aus der Eifel nach Köln gebaut - der "Eifelkanal" -. In der ersten Baustufe hatte der Eifelkanal 3 Quellen im Gebiet der heutigen Gemeinde Mechernich (in Kallmuth, Urfey und Dreimühlen). Gegen Ende des 1. Jhdt. kam der einige km weiter von Köln entfernte Quellpunkt "Grüner Pütz" in der heutigen Gemeinde Nettersheim hinzu, der damit der Quellpunkt des insges. 95,4 km langen Kanals wurde. Die römischen Wasserleitungen verliefen größtenteils unterirdisch und transportierten das Wasser durch ihr Gefälle. Täler wurden mittels Aquädukten überbrückt. In der sog. Brunnenstube "Grüner Pütz" bei Nettersheim (eine Brunnenstube war als Sammler Kernstück der Anlage) wurde das in einer Sickerleitung aufgefangene Hangwasser gesammelt und über eine unterirdische Leitung in Richtung CCAA abgeführt. In der Brunnenstube "Klausbrunnen" bei Kallmuth wurde das dortige Hangwasser mittels torartigen Öffnungen abgefangen und in die Leitung nach Köln geleitet. Die von Nettersheim kommende Leitung war durch die Brunnenstube Kallmuth durchgeführt.

Der Eifelkanal war
mit den ca. 95 km Länge einer der längsten Frischwasser-Fernleitungen im römischen Imperium zur Versorgung von römischen Metropolen mit Wasser und der größte antike technische Bau nördlich der Alpen ... ein Meisterwerk antiker Bautechnik. In der CCAA versorgte die Wasserleitung die öffentlichen Brunnen, die Thermen und private Häuser von wohlhabenden Bewohnern der antiken Stadt. Der Eifelkanal war nur bis ca. 270 in Betrieb (vermutlich zerstört bei den zunehmenden Überfällen der Franken); danach übernahm vermutlich der Vorgebirgskanal wieder die Wasserversorgung.

Römisches Köln/Nordtor (am Dom)
 Teil des röm. Nordtors
(aufgestellt am Dom/Domplatte)
Römisches Köln/Teil des Nordtos (im RGM)
Abdruck "CCAA" im Nordtor
(ausgestellt im RGM)      
Römisches Köln/Skizze Nordtor
   Skizze des röm. Nordtors
(mit Straßentor und 2 Fußgängertoren)
Römisches Köln/Hafenstraße
  römische Hafenstraße (3./4. Jhdt.)  ( Nähe RGM)
Die Hafenstraße verlief etwas weiter nördlich (unter dem heutigen RGM). Die gefundenen Reste sind am heutige Ort neu ausgelegt worden!
Römisches Köln/Divitia
Kastell Divitia
(siehe auch Kölner Denkmäler)
Römisches Köln/neuzeitlicher Römerbrunnen
neuzeitlicher  Römerbrunnen  (Anfang 20. Jhdt.)
(siehe auch Kölner Denkmäler)


4 Divitia

Um 310 ließ Kaiser Konstatin, der sich damals längere Zeit in der CCAA aufhielt, die erste befestigte Rheinbrücke bauen. Diese feste Brücke verband die linksrheinisch gelegene antike Stadt mit dem zur gleichen Zeit (von um 310 bis 315) von den Römern errichteten rechtsrheinischen Militär-Kastell "Divitia". Die Brücke mit steinernen und hölzernen Elementen befand sich nördlich der heutigen Deutzer Brücke und war mit etwa 420 m Länge und ca. 10 m Breite von für diese Zeit beträchtlicher Größe. Die heutige Altstadtstraße Salzgasse zwischen Heumarkt und Rhein liegt in der Trasse der damaligen Zugangsstraße zu dieser Brücke. Nach dem Fortzug der Römer (Anfang 5. Jhdt.) verfiel sie allmählich und wurde vermutlich im 9. Jhdt. oder etwas später abgerissen. Die nächste befestigte Brücke folgte erst über fünfzehnhundert Jahre später mit der 1859 eingeweihten Dombrücke!  Heute hat Köln insges. 8 Rheinbrücken.

Das "Castrum Divitensium" (Militär-Kastell Divitia) (hiervon ist der Name der späteren Stadt Deutz - heute rechtsrheinischer Stadtteil Köln-Deutz - abgeleitet) mit einer Besatzung von ca. 1000 Legionären in 8 Kasernen hatte als zentraler militärischer Stützpunkt die Aufgabe, das spätrömische Köln und die Provinz vor den immer zahlreicher werdenden Angriffen rechtsrheinischer "Barbaren"-Stämme (später "Germanen" genannt) gegen die linksrheinischen römischen Gebiete zu schützen und den Handel mit den Germanen zu überwachen. Das viereckige Kastell war von einer großen Mauer mit 2 Torburgen im Westen und Osten und 14 runden Wachtürmen gesichert. Nachdem die Römer nach 400 abgezogen waren, wurde die Colonia ab um 420 zunehmend eine fränkische Stadt und wurde um 455 von den Franken besetzt. Auch das Kastell Divitia wurde ab Mitte des 5. Jhdt. von den Franken übernommen und als Königshof genutzt ("Divitia Civitas").  Im 11. Jhdt wurde auf dem Gelände ein Benediktiner-Kloster errichtet. 1230 wurde Deutz vom Kölner Erzbischof/Kurfürst zur Stadt erhoben und später im Rahmen der Kölner Stadterweiterungen 1888 als Köln-Deutz ein Stadtteil Kölns.

Reste des Ost-Tors des römischen Kastells sind als Denkmal noch erhalten. Der Fundort liegt neben dem ehemaligen Lufthansa-Gebäude (jetzt Lanxess-Gebäude) und neben der zu den kleinen Romanischen Kichen Kölns zählenden Kirche Alt St. Heribert. Ein Turm und die Kasernen sind im Pflaster nachgebildet. Dieses Denkmal war leider - wie auch viele Fundstellen der lrh. römischen Stadtmauer - völlig unzulänglich gepflegt und präsentiert (siehe vorgenannte Mängelliste).  Allerdings ist nach Ende der mehrjährigen Bauarbeiten in diesem Gelände inzwischen diese Fundstelle mit tatkräftiger Mithilfe des Fördervereins "Historischer Park Deutz e. V."  aufgeräumt und wird jetzt einigermäßen angemessen präsentiert.

  Hinweis:
Das Gelände um das ehemalige Militär-Kastell ist von großer archäologischer Bedeutung. Bei den Ausgrabungen im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Kölner Attraktion "Rheinboulevard" (im Bau; große Aussichts-Treppe fertig und Mitte 2015 freigegeben, Boulevard vorauss. in 2016 fertig) wurden bei archäologischen Ausgrabungen dort gefunden:

- weitere Reste des spätrömischen Kastells (4. Jhdt.) und der frühmittelalterlichen Civitas (5. - 9. Jhdt.),
- hochmittelalterliche bis neuzeitliche Fundamente und Mauerreste der mittelalterlichen Pfarrkirche Alt St. Urban (ab um 9. Jhdt.) und Gräber des Friedhofs dieser Kirche (9. - 18. Jhdt.),
- Fundamente eines mittelalterlichen Wehrturms (evtl. des Grafen von Berg, 13. Jhdt.),
- Grundmauern einer preußischen Kürassier-Kaserne (frühes 19. Jhdt.) mit einem Turm auf den Grundmauern eines Eckturms des römischen Kastells (sog. "Schinkenkessel")
- Bauten des Kopfbahnhofs der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn in (Köln-)Deutz (1882) (u. a. Fundament einer Eisenbahn-Drehscheibe und ein Teil der rheinseitigen Stützmauer des Bahndamms), der 1913 mit dem Bau des heutigen Deutzer
  Bahnhofs aufgegeben worden war

 ... also Fundstücke aus 1700 Jahren Deutz auf engstem Raum! Diese Fundstücke müssten alle anders als viele andere historische Kölner Bodendenkmäler (siehe vorgenannte Mängelliste) angemessen präsentiert und gepflegt werden. Hierum kümmert sich der Förderverein "Historischer Park Deutz e. V." und sollte dabei unterstützt werden. Leider scheint es nur teilweise zu gelingen, diese historischen Denkmäler zu erhalten und erlebbar zu machen, statt sie wieder zuzuschütten (was der Leiter der Bodendenkmalpflege, Dr. Trier, leider ärgerlicherweise oftmals propagiert) oder gar sie zu vernichten wie z. B. seinerzeit zum großen Teil mit der mittelalterlichen Stadtmauer geschehen. Aber immerhin ... ein Teil der Fundstücke ist dank des genannten Fördervereins "gerettet" worden. Nach weiteren freigelegten Fundstücken im Herbst 2015 ist bezüglich des Erhalts der archäologischen Dokumente im Bereich des Boulevards etwas Hoffnung und ein Umdenken zu verspüren.
 

5. Statistische Daten

Köln existiert seit um 19 v. Chr. als befestigte Siedlung und ab 50 n. Chr. (= Bezugsjahr für die 2000-Jahr-Feier Kölns!) mit den Stadtrechten einer Colonia (Stadt römischen Rechts). Andere Städte römischen Ursprungs feiern übrigens ihr Jubiläum in Bezug auf ihre Gründung (wie 1984 das 16 v. Chr. gegründete Trier); bei gleicher - eigentlich richtigen - Vorgehensweise hätte Köln schon 1981 dieses Jubiläum begehen sollen. Die Einwohnerzahl Kölns in der Blütezeit der römischen Phase (3. Jhdt.) wird auf ca. 20.000 (bis 40000) geschätzt. 

Die Gründer Kölns sind
Oftmals wird wegen Beteiligung an der Verleihung des Rangs einer Colonia auch Agrippina als Stadtgründerin genannt.   Einwohner- und Flächenentwicklung des Römischen Köln bis zum Ende des Mittelalters
 
Epoche
Jahr
Einwohner
Fläche (ha)
Anmerkung

römisches Köln

ca. 20 000 (bis 40 000) * 97
 < * römische Blütezeit

mittelalterliches Köln
um 940

122
nach Abschluss der 1. mittelalterlichen Stadterweiterung
1106
ca. 12 000 223
nach der 2. mittelalterlichen Stadterweiterung
1180
ca. 20 000 - 30 000 401

nach der 3. mittelalterlichen Stadterweiterung
ab 13. Jhdt um 40 000
1500
um 40 000
Gesamtentwicklung unter Kölner Stadtgeschichte
Quelle: Fläche und Einwohner amtlichen Zahlen (Statistisches Jahrbuch 2012 der Stadt Köln.  Hinweis:  Alle Einwohnerzahlen - auch aus amtlichen Quellen - vor dem späten Mittelalter (vor 15. Jhdt.) sind als grobe Schätzungen anzusehen. Genauer sind hingegen die Flächenangaben.

  Politische Zugehörigkeiten Kölns in der römischen und nachrömischen Zeit seiner über 2000-jährigen Geschichte im Überblick


Informationen und Fotos zu Bauwerken und Fundstellen der römischen Epoche Kölns siehe auch Themen-Seiten Kölner Bauwerke  und Kölner Denkmäler.


D. Datensammlung: Wichtige Geschichtsdaten zum Römischen Köln und dessen Umfeld

D1. Gründungsdaten der Mutterstadt Rom sowie Kölns und römischer Schwesterstädte Kölns  in der Nähe

antike Stadt Daten

römischer Städtestatus* und Name 

Rom

753 v. Chr. mythische Gründung Roms durch Romulus
ca. 750 - 510 v. Chr. römische Königszeit
510 - 27 v. Chr. römische Republik
27. v. Chr. -  476 
römisches Kaiserreich (395 - 476  Weströmisches Reich),  395 - 1453 Oströmisches/Byzantinisches Kaiserreich 
Roma



Köln
um 19. v. Chr. Gründung einer römischen Siedlung in einem vermutlich unbesiedelten Gelände im Gebiet der heutigen Kölner Altstadt als Vorläufer der späteren Colonia
50 n. Chr. Erhebung der Oppidum zur Colonia
ab um 90 Haupstadt der Provinz Germania Inferior (Nieder-Germanien) (ab um 300 Germania Secunda)
259/260 - ca. 271 Residenzstadt des vom Statthalter Postumus in Köln gegründeten römisch-gallischen Sonderreichs
Oppidum Ubiorum
Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA) (Kurzform: Agrippina)

Trier um 16 v. Chr. Gründung einer römischen Siedlung im Gebiet der Treverer
ca. 271 - 274  Residenzstadt des vom Statthalter Postumus in Köln gegründeten römisch-gallischen Sonderreiches
293 - um 390 zeitweise Residenzstadt des westlichen römischen Teilreiches innerhalb der Tetrarchie            
Augusta Treverorum (ab Mitte 1. Jhdt. n. Chr. eine Colonia)

ab Ende 3. Jhdt. Treveris
Tongeren (Tongres)
(Belgien)
um 15 v. Chr. Gründung einer römischen Siedlung an der antiken Römerstraße (Via Belgica)

Atuatuca Tungrorum in der Civitas Tungrorum (Provinz Gallia Belgica)

Xanten

um 13  v. Chr. Gründung eines Legionslagers in Nähe des heutigen Xanten
71 n. Chr. Gründung
eines nachfolgenden Legionslagers in Nähe des heutigen Xanten 
um 100 Erhebung einer Siedlung im Gebiet der heutigen Stadt Xanten (in Nähe der Lager Vetera) zur Colonia
Castrum Vetera I 
Castrum Vetera II 
Colonia Ulpia Traiana (CUT)
Mainz
um 13 v. Chr. Gründung von 2 Legionslagern im Gebiet des heutigen Mainz mit späteren vorgelagerten Siedlungen
ab um 90 Hauptstadt der Provinz Germania Superior (Ober-Germanien)
Castra Mogontiacum

Bonn
um 11 v. Chr. Gründung einer Siedlung im Gebiet des heutigen Bonn
1. Jhdt. nach Chr. Gründung von Legionslagern
im Gebiet des heutigen Bonn
Vicus Bonnensis (Bonna)
Castra
Bonnensia
Speyer
um 10 v. Chr. Gründung eines Legionslagers

Castrum Noviomagus
Koblenz um 9 v. Chr. Gründung eines Legionslagers im Gebiet der heutigen Altstadt 

Castrum Confluentes

* röm. Städtehierarchie
Vicus = kleine römische zivile Siedlung; Oppidum = befestigte römische zivile Siedlung; Atuatuca = römische Siedlung der KeltenCastrum /Plural Castra = römisches Militär-/Legionslager (Kastell); Civitas = römischer Verwaltungsbezirk (mit einem Zentrum und Umland); Municipium = von Rom abhängige Stadt ohne volle Bürgerrechte; Colonia = Stadt römischen Rechts (Abbild Roms)

D2. Daten Römisches Köln

Kölner Wappen Epoche
Teil-Epoche
Daten der Stadtgeschichte von Köln - Rheinmetropole und alte Römerstadt
- Römisches Köln -



Das Römische Köln

Oppidum Ubiorum



Colonia Claudia
Ara Agrippinensium
 (CCAA)

Gründungsphase

bis 90 n. Chr.



  • 58 - 51 v. Chr. Eroberung Galliens (mit dem Rhein als Ostgrenze) durch die römischen Truppen des späteren Diktators Gaius Julius Caesar (52 erfolgreiche Schlacht bei Alesi). 55 überschreiten die Römer erstmals zu Feldzügen den Rhein, der aber die Ostgrenze Galliens bleibt. Die im rechtsrheinischen Lahngebiet siedelnden Ubier sind Verbündete der Römer.
  • 20/19 v. Chr. Zweite Statthalterschaft Agrippas in Gallien.
  • um 19 v. Chr. Ansiedlung der Ubier in der linksrheinischen Kölner Bucht und Gründung der Siedlung "Oppidum Ubiorum" (heutiges Köln) durch den römischen Statthalter Agrippa während dessen 2. Statthalterschaft in der Provinz Gallia (1. Statthalterschaft  39/38 v. Chr.).
  • 15 - 13  v. Chr. Augustus in Gallien.
  • 12  - 9  v. Chr. sowie 4 - 6,  9 und 14 - 16  n. Chr. Germanenkriege der Römer gegen die rechtsrheinisch (in Germania Magna) siedelnden Völker.
  • 7 v. Chr. Die Römer beginnen mit dem verstärkten Ausbau des Oppidum Ubiorum.
  • ca. 9 v. Chr. Errichtung eines zentralen Heiligtums in der Oppidum Ubiorum (Ara Ubiorum), geweiht der Göttin Roma und dem römischen Kaiser
  • ca. 4 n. Chr. Baubeginn des  Praetoriums in Köln als Amts- und Wohnsitz zuerst des Oberbefehlshabers des Heeres in Niedergermanien, später des Statthalters der Provinz Nieder-Germanien ("Germania Inferior") bzw. ab ca. 300 von Germania Secunda (der Bau wurde in 4 Baustufen im 1. - 4. Jhdt. errichtet und erweitert).
  • 9 n. Chr. Niederlage der Römer unter Varus gegen die Germanen unter Führung des Cheruskers Arminius im Germanengebiet rechts des Rheins ("Varus-Schlacht"). Als Folge ziehen sich die Römer nach dem Tod des Augustus (14 n. Chr.) ab um 16 n. Chr. auf die Rheingrenze als Grenze Gallias zurück. Das Oppidum Ubiorum und später die CCAA sind fortan auf Dauer römische Grenzstadt.
  • 13 n. Chr. Germanicus wird Statthalter der Provinz Gallia, zu der das römische Köln (Oppidum Ubiorum, ab 50 n. Chr. CCAA) gehört, und Kommandeur der Heere Nieder- und  Obergermaniens (Oppidum Ubiorum ist im frühen 1. Jhdt. n. Chr. festes Winterlager für die I und XX. Legion).
  • 15 n. Chr. Geburt der Agrippina (die Jüngere) in der Oppidum Ubiorum als Tochter des Heerführers Germanicus und seiner Frau Agrippina (die Ältere); Agrippina (die Jüngere) ist Mutter des späteren Kaisers Nero und ab 49 n. Chr. Ehefrau des Kaisers Claudius. In dieser Rolle veranlasste sie den Kaiser, ihrer Geburtsstadt 50 n. Chr. den Rang eine Colonia zu verleihen.
  • Mitte des 1. Jhdt. n. Chr. (um 17 n. Chr. ?) Gründung des Flottenlagers "Alteburg" südlich der CCAA (im heutigen Stadtteil Köln-Marienburg) für die zentrale Kriegsflotte Classis Germanica zur Sicherung der Rheingrenze.
  • 50 n. Chr. Erhebung der Oppidum Ubiorum zur röm. "Colonia Claudia Ara Agrippinensium" (CCAA) durch Kaiser Claudius auf Veranlassung  seiner Frau  Agrippina (Colonia = Stadt römischen Rechts). 
  • 69 n. Chr. CCAA kurze Zeit Residenzstadt des hier zum Kaier ausgerufenen Kaisers Vitellius im "4-Kaiser-Jahr" des röm. Reichs nach dem Tode Neros (Der Statthalter Vitellius war am 02.06.69 in Köln zum Kaiser ausgerufen worden).
  • 69 - 70 n. Chr.  Aufstand gegen die Römer in Gallien (am Niederrhein) unter Führung der germanischen Bataver.
Provinzhauptstadt in Germania Inferior

90 - um 285 n. Chr.
  • um 90 n. Chr. Gründung der neuen Provinzen Germania Inferior (Nieder-Germanien) mit der Hauptstadt CCAA (Köln) und Germania Superior (Ober-Germanien) mit der Hauptstadt Moguntiacum (Mainz) im Zuge der Verwaltungsreform des Kaisers Domitian in den Gebieten der germanischen Heeresbezirke der Provinz Gallia.
  • ab um 90 n. Chr. Bau der römischen Stadtmauer.
  • 98 n. Chr. Trajan (damals Statthalter in Ober- und Nieder-Germanien) hält sich in der CCAA auf und erhält von Hadrian dort die Nachricht seiner Nachfolge auf den verstorbenen Kaiser Nerva (Regierungszeit Trajans 98 - 117)
  • um 100 Erhebung einer Siedlung im Gebiet der heutigen Stadt Xanten in Nähe des vorherigen Castrum Vetera I und in Nähe des Castrum Vetera II (ab 71 n. Chr.) zur röm. Colonia Ulpia Traiana ("CUT").
  • um 100/120 Beginn des Baus des Obergermanisch-Raetischen Land-Limes als ca. 550 km lange Grenzbefestigung zum Germania magna (= Siedlungsgebiets der Germanen östlich des Rheins) vom Rhein bei Rheinbrohl (südlich von Bonn/Köln) bis zur Donau (bei Eining) unter Einbeziehung dieses Germanengebiets in das Imperium (260 Aufgabe des Limes und Rückzug hinter Rhein und Donau). Der Land-Limes war ein System aus Wachttürmen, Wällen und Kastellen (Castra) als Militärlager im Hinterland.
  • 122 Besuch des Kaisers Hadrian in Köln.
Spätrömische Periode

um 285 - nach 400

  • 259/260 - ca. 274 Imperium Galliarum (gallisches Sonderreich) mit 6 bzw. zuletzt 4 Provinzen des römischen Reiches.
  • 259/260 - ca. 271 CCAA (Köln) und ca. 271 - 274 Treveris (früher Augusta Treverorum - Trier -) sind Residenzstädte des vom Statthalter Postumus in Köln  gegründeten römisch-gallischen Sonderreiches  (Postumus wird erster Kaiser dieses Reiches und um 269 ermordet). 
  • um 300 im Zuge der Reformen des Kaisers Diocletian CCAA Hauptstadt der neu gegründeten Provinz Germania Secunda.
  • 293 - um 390  Treveris (Trier) im Zuge der Reichsreformen des Diocletian zeitweise kaiserliche Residenzstadt eines der röm. Teilreiche (während der Tetrarchie und später der Präfektur Galliarum). Glanzzeit Triers: Konstantinische Epoche Anfang des 4. Jhdt.
  • um 310 mehrfache Besuche des Kaisers Konstantin I  in Köln. Konstantin war ab 306 Caesar (Junior-Kaiser) im Westteil des während der römischen Tetrarchie aufgeteilten Imperiums und ab 324 Alleinherrscher im gesamten Imperium.
  • um 310 Bau einer Rheinbrücke und um 310 - 315 Errichtung des rechtsrheinischen Militär-Kastells Divitia  (im heutigen Stadtteil Köln-Deutz), veranlaßt von Kaiser Konstantin.
  • um 313 Maternus erster verbriefter Bischof Kölns (verbriefte Teilnahme an den Synoden 313 in Rom und 314 in Arles). Die erste christliche Gemeinde in Köln wird für das frühe 3. Jhdt. vermutet. 
  • 321 Ein Erlass des röm. Kaisers Konstantin I mit der Erlaubnis, Juden in den Stadtrat aufzunehmen, gilt als Beleg für die Gründung der ältesten jüdischen Gemeinde nördlich der Alpen im 3./4. Jhdt. in Köln.
  • 355 Erhebung des Feldherrn Silvanus  in Köln zum römischen Kaiser, der aber wenig später ermordet wird.
  • 355 Franken erobern und zerstören Köln, das aber 356 zurück erobert wird.
  • um 397 Severinus wird Bischof von Köln.
  • nach 400  Abzug der römischen Truppen aus Germanien; ab um 420 wird die Colonia zunehmend eine fränkische Stadt.
  • um 455 Das vormalige römische Köln wird von den ripuarischen Franken (Rheinfranken) besetzt und ab ca. 460 deren Residenzstadt (1. König ab um 460/470: Sigibert von Köln). Das Kastell Divitia wird als fränkischer Königshof "Divitia Civitas" genutzt (später ab ca. 1230 Stadt Deutz). Die Funktion Kölns als Residenzstadt endet aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Machtübernahme der Karolinger-Franken im 8. Jhdt..
  = Besonders wichtige Daten der Kölner Stadtgeschichte! 
Daten ohne Gewähr!
Daten zu allen Epochen siehe Datensammlung "Kölner Stadtgeschichte"  - Vollversion V -
römisches Köln/CCAA im Römischen Reich um 117
CCAA im Römischen Reich/117 n. Chr.
Freigabe Urheber: Furfur, made by Andrei nacu
Römisches Köln
römisches Köln/südliche Gräberfelder
Römisches Köln/Konstantin und Postumus
Konstantin I und Postumus
  (Figuren am Rathausturm Köln)
Römisches Köln/Skizze röm. Rheinbrücke
Lage röm. Brücke und Divitia/um 310
(Skizze im Praetorium/RGM)
Römisches Koeln/Konstantin
   Konstatin d. Gr.
(Kaiser 306 - 337) 
Ausgrabung einer Römervilla in Ahrweiler
Ausgrabung einer Römervilla in Ahrweiler
im  Einzugsgebiet  der CCAA (1.- 4 Jh.)


A 1/ Anhang:  Antike Geschichte - Datensammlung zur antiken Geschichte
A 2/Anhang:  Ein hervorragender Artikel in Welt.de (08.04.2013): "Als Köln Hauptstadt einer antiken Großmacht war. Ein Abdruck als Anhang wurde leider nicht erlaubt. Sofern der Link nicht mehr zugänglich sein sollte, bitte bei Interesse an online@welt.de wenden!
  
   Zu empfehlen ist das Buch von Gerta Wolf "Das römisch-germanische Köln"/Bachem Verlag



Empfehlung des Autors Der Autor empfiehlt als jeweiliges Mitglied (bzw. Unterstützer) die Unterstützung der folgenden gemeinnützigen Vereine durch Mitgliedschaft und/oder Spenden:
    * Freunde des Wallraf-Richartz-Museum und des Museum Ludwig (Die Mitglieder unterstützen und fördern diese beiden Museen und haben freien Eintritt in beiden Museen!)
    * Förderverein Romanische Kirchen Köln (Die Mitglieder unterstützen u. a. maßgeblich Renovierungsarbeiten und Ausstattungam des Kichenensembles und erhalten außerdem jährlich das große wertvolle Jahrbuch des Vereins "Colonia Romanica")
    * Zentral-Dombau-Verein zu Köln von 1842 (Die Mitglieder unterstützen u. a. maßgeblich die umfangreichen Renovierungsarbeiten am Dom und erhalten außerdem jährlich das große wertvolle Jahrbuch des Vereins "Kölner Domblatt")
    * G Fortis Colonia - 2000 Jahre befestigtes Köln (mit seinen Arbeitsbereichen Römische Stadtmauer, Mittelalterliche Stadtmauer, Preußische Festungen)
    * G Förderverein Historischer Park Deutz
die sich um  wichtige und bedeutende Kölner Museen, Bauwerke und Denkmäler kümmern, sowie
    * Förderverein Herzzentrum Köln
    * Verein Deutsche Sprache (überregional)
G: tätig im Bereich der Stadtgeschichte (inkl. Römisches Köln)

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GL_Köln/03.06.2016


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