Veto Colonia - Einspruch von Kölner Bürgern gegen Kölner Bausünden, Kultursünden und Schlampereien **

Autoren: Günter Lehnen und Werner Müller, Köln


                      
Sprachsünden in Köln
 Dieser Auszug  aus dem Web-Projekt  "Veto Colonia"** ist ein Anhange der privaten  Web-Präsenz   "Köln - die Rheinmetropole und alte Römerstadt"

Zu empfehlen ist aktuell die Unterzeichnung der Petition  "Zum Schutz der Deutschen Sprache": http://openpetition.de/petition/online/zum-schutz-der-deutschen-sprache


Kölner Kultursünden:

Sprachsünden in Köln - Verunstaltung des Kulturguts "Deutsche Sprache" durch Sprachpanscher der Kölner Stadtverwaltung, der Medien und  von Firmen *

 Factory WRM - Public Viewing - Mobility Center - Sale - Kids Club - Wash, cut and go  ... und sonstiger Sprachmüll



Eines der wichtigsten Kulturgüter ist die Sprache. Dies sollte ganz besonders im Land der großen Dichter und Denker gelten. Die deutsche Sprache jedoch wird zunehmend von zumeist unnötigen - oftmals sogar falschen - englischen Ausdrücken bzw. einem deutsch-englischem Sprach-Mischmasch ("Denglisch" genannt) überflutet und verhunzt. Besonders  in der Werbung sowie in der aufgeblasenen Manager- und Mediensprache ist diese Kultursünde zu beobachten. Niemand hat was gegen das Verwenden von zweckmäßigen oder unvermeidlichen englischen - oder wie in der Wissenschaft griechischen und lateinischen - Fachbegriffen sowie von in einer lebendigen Sprache inzwischen eingedeutschten Wörtern (wie z. B. in der Internet-Welt eMail oder auch z. B. Hobby, Party usw.). Schon gar nicht geht es um  engstirnige nationalistische Ziele. Aber  diese Sprachpantscherei  mit  unsinnigen und überflüssigen Anglizismen und dem deutsch-englischen Sprachgemisch Denglisch, das viele Bürgerinnen und Bürger zudem oft gar nicht verstehen und auch nicht wollen, und damit die Beschädigung des Kulturguts Deutsche Sprache ist zu bekämpfen.

Untersuchungen haben ergeben, daß vor allem die Kunden, die die anglizistischen Werbebotschaften ja eigentlich erreichen sollen, diese Sprüche zu einem sehr hohen Prozentsatz nicht oder nicht richtig verstehen. Einige große Firmen haben das mittlerweile erkannt und ihre vormaligen englischen Werbesprüche gegen deutsche ersetzt (und hoffentlich auch ihre ach so modernen Werbemanager entlassen). Bravo! Andere - vor allem eigenartigerweise besonders penetrant ehemalige Behörden wie Deutsche Telekom, Deutsche Post, Lufthansa und Deutsche Bahn sowie kommunale Stellen (leider bei manchen Anlässen auch die Kölner Stadtverwaltung) - überbieten sich mit diesem Sprachen-Unfug. Und auch viele Journalisten, deren wichtigstes Werkzeug ja eigentlich ihre Mutter-Sprache ist und die eigentlich besonders sensibilisiert sein sollten, sündigen unbedacht oder auch absichtlich mit. Oftmals steckt reines Imponiergehabe oder der zwanghafte Versuch, modern zu wirken, dahinter (obwohl viele Bürgerinnen und Bürger dieses Denglisch-Gedöns nicht als modern sondern als albern empfinden). Den Firmen und Organisationen, die immer noch glauben mit solchem Sprachunfug besser bestehen zu können, ist eine Untersuchung des Kölner Marktforschungs-Instituts Endemark hierzu zu empfehlen (siehe auch unter der Internet-Adresse www.aktionlebendigesdeutsch.de).

Der jährlich durchgeführte "Tag der deutschen Sprache" verfolgt u. a. das Ziel (Zitat des Verein Deutsche Sprache (VDS)/ http://www.vds-ev.de), "... ein Sprachbewußtsein zu schaffen und zu festigen, das den unkritischen Gebrauch von Fremdwörtern verhindert und besonders dem Englisch- und Denglisch-Wahn, also der Sucht, überflüssige englische Ausdrücke zu benutzen, entgegenzusteuern." Der VDS ist eine "Bürgerbewegung gegen den deutsch-englischen Sprachmischmasch" mit über 30000 Mitgliedern.

Peter Herbolzheimer
(2010 leider verstorben), weltweit gereister und bekannter Jazz-Musiker und -Komponist und völlig unverdächtig einer Deutschtümelei , am 25.08.07 bei einer Veranstaltung des VDS: "Wer seine Sprache verliert, verliert seine Kultur." Prof. Walter Krämer, Vorsitzender des VDS: "Viele Manager benutzen Kunstwörter oder Anglizismen, weil sie Trivialitäten als große Einfälle verkaufen wollen. Wer nichts zu sagen hat, sagt's auf Englisch." Joachim Fest: "Ein Volk, das sich nicht zu seiner eigenen Sprache bekennt und sie durch Anglizismen aufzupeppen versucht, ist zutiefst gestört." Zitat aus einem Artikel in den Sprachnachrichten, der VDS-Zeitung: "Der geistig Neureiche versucht, sich mit Anglizismen den Glanz der Weltläufigkeit und gehobener Einsicht zu verleihen. Hinterfragt man die Wortblasen, bleiben oft nur mangelndes Verständnis oder eitle Gepreiztheit übrig." Ein namhafter deutscher Poliker im April 2009: "Es herrscht offenbar der Gedanke vor, dass man Menschen besonders anspricht, wenn man alles in Englisch formuliert. Aber ich glaube, das Gegenteil ist der Fall. Es versteht keiner mehr." Dirk Roßmann, Chef der Drogeriekette. "Indem wir als Deutsche unsere Sprache und unsere Kultur aufgeben, geben wir auch unsere Existenz auf".

Allerdings ein Hoffnungsschimmer am Horizont: Im Februar 2010 ist in der Presse zu lesen, dass die Bundesbahn von dem Denglisch-Unfug wieder abkommen will. Bald sollen u. a. die Fahrgäste wieder am "Schalter" Fahrkarten kaufen können. Einige andere Firmen haben inzwischen auch gemerkt, "Wer deutsch wirbt, verkauft besser" (Zitat Kölner Express 28.02.10).

Was hat das mit Köln zu tun? Nun - "Veto Colonia" will aufspüren,  wo in Köln Sprachsünden zu beobachten sind und von wem, um mitzuwirken, diese abzustellen. Aber wir wollen auch die Sprachvorbilder, die diese Sprachverhunzung nicht  mitmachen, als Gegenbeispiele vorstellen.

Auszug aus dem Internet-Auftritt des Verein Deutsche Sprache (Zitat):

"Die deutsche Sprache wird seit Jahren von einer Unzahl unnötiger und unschöner englischer Ausdrücke überflutet. Die Werbung bietet hits for kids oder Joghurt mit weekend feeling. Im Fernsehen gibt es den Kiddie Contest, History, Adventure oder History Specials und im Radio Romantic Dreams. Wir stählen unseren Körper mit body shaping und power walking. Wir kleiden uns in outdoor jackets, tops oder beach wear. Wir schmieren uns anti-ageing-Creme ins Gesicht oder sprühen styling ins Haar. Bei der Bahn mit ihren tickets, dem service point und McClean verstehen wir nur Bahnhof.

Manche Leute finden das cool. Andere - die Mehrheit der Menschen in Deutschland - ärgern sich über die überflüssigen englischen Brocken und sehen darin eine verächtliche Behandlung der deutschen Sprache. Es ist in der Tat albern - und würdelos ! -, Wörter wie "Leibwächter", "Karte", "Fahrrad", "Nachrichten" oder "Weihnachten" durch body guard, card, bike, news oder X-mas zu ersetzen.

Diese Anglisierung der deutschen Sprache hängt mit der weltweiten Ausbreitung des American Way of Life zusammen, hinter dem die politische und wirtschaftliche Macht der USA steht und durch den sich die Lebensformen vieler Länder und deren Sprachen verändert haben. Das gilt auch für Deutschland. Eine besonders geringe Treue einiger Deutscher zur eigenen Sprache und die gierige Bereitschaft zur Anbiederung an die englische haben - mehr als anderswo - zur Entstehung eines Sprachgemischs beigetragen, das wir Denglisch nennen. ...

Wir wollen der Anglisierung der deutschen Sprache entgegentreten und die Menschen in Deutschland an den Wert und die Schönheit ihrer Muttersprache erinnern. Wir wollen unsere Sprache bewahren und weiter entwickeln. Die Fähigkeit, neue Wörter zu erfinden, um neue Dinge zu bezeichnen, darf nicht verloren gehen.

Dabei verfolgen wir keine engstirnigen nationalistischen Ziele. Wir sind auch keine sprachpflegerischen Saubermänner und akzeptieren fremde Wörter - auch englische - als Bestandteile der deutschen Sprache. Gegen fair, Interview, Trainer, Doping, Slang haben wir nichts einzuwenden. Prahlwörter wie event, highlight, shooting star, outfit, mit denen gewöhnliche Dinge zur großartigen Sache hochgejubelt werden, lehnen wir ab. Dieses "Imponiergefasel" grenzt viele Mitbürger aus, die über keine oder nur eingeschränkte Englischkenntnisse verfügen. ..."

  Wenn Sie  Beispiele für Sprachsünder, aber auch für Sprachvorbilder in Köln beobachten, informieren Sie uns. Wir bauen das gerne hier ein.
   
 


Beispiele für Sprachsünder in Köln *
    
                       
   
Wer mit Anglizismen wirbt, hat was zu verbergen!

Stellenanzeigen

Auch in Köln glauben viele Firmen, bei Stellenanzeigen mit anglizistischen Begriffen ihre Arbeisplätze schönen zu wollen. Aber macht das Sinn? Werden die Anzeigen verstanden? Wir zitieren hier aus der ARD-Sendung  "Plus-Minus" am 22.02.11, in der unter der Überschrift
"Vom Hausmeister zum Facility Manager" diese Unsitte untersucht wurde:

"... Das Problem: Leser, die die englischen Bezeichnungen nicht kennen oder nicht richtig einordnen können, werden sich nicht bewerben. So fehlen den Betrieben am Ende geeignete Kandidaten. Vor dem angeblich drohenden Fachkräftemangel keine gute Rekrutierungsstrategie. .... Es kann sich also doch lohnen, auf Deutsch zu setzen – auch und gerade nach der Finanzkrise. Denn mehr denn je suchen heute Kunden wie Arbeitnehmer Solidität und Bodenhaftung; Unternehmen, die sich entsprechend darstellen wollen, verwenden wieder öfter deutsche Berufsbezeichnungen, beobachtet der Verein für deutsche Sprache. Auslöser sei auch die Wirtschaftskrise, durch die sich der Ruf und das Ansehen von Banken und Managern stark verschlechtert haben, meint Holger Klatte vom VdS; viele Unternehmen überlegten mittlerweile "ob sie den Manager nicht eher wieder Betriebs- oder Bereichsleiter nennen oder den Consultant einen "Berater" nennen sollten. ..."


Factory WRM
Das älteste und wohl auch wichtigste der Kölner Museen mit einer der bedeutendsten Gemäldesammlungen Deutschlands ist das Wallraf-Richartz-Museum (WRM). Einen Besuch können  wir unbedingt empfehlen!

Von 2007 bis November 2008 wurden die drei Etagen des WRM mit der ständigen Sammlung komplett neugestaltet. Die Gemälde wurden chronologisch und thematisch neu aufgehängt, die individuellen Farben der einzelnen Räume folgen dieser Logik, in jedem Raum wird das jeweilige Thema auf einer großen Tafel erläutert und an vielen Gemälden ist neben Künstler und Titel eine Erläuterung des Bildes zu lesen ... "eine hervorragend gelungene Runderneuerung" (Zitat Kölner Stadtanzeiger) der ständigen Sammlung des Hauses mit einer strukturierten Präsentation, wie sie kaum ein Museum sonst aufweist. Besucher/innen haben so die Möglichkeit, an den Werken einfach vorbeizuschlendern oder aber kunsthistorische Studien zu betreiben.

Bei soviel Lob bleibt leider dennoch zu kritisieren, dass bei der letzten Neugestaltung (der Mittelalter-Abteiung), dem "Relaunch"
wie der Leiter dieser Abteilung das in einem Vortrag glaubte nennen zu müssen, nun auch die Museumsleute oder zumindest dieser Abteilungsleiter offenbar meinten, den Anglizismuswahn mitmachen zu müssen. Dabei sollten doch gerade Kulturschaffende mit dem Kulturgut Sprache sensibel umgehen. Einer der Räume trägt das Thema "Factory", obwohl der Raum im Faltblatt mit dem Raumplan noch anders mit deutschem Text heißt. Bei den Gemäldetexten fanden wir u. a. Like a virgin, Comic strips, A star is born und Fundraising (Englisch-Wörterbuch mitnehmen!), letzteres in Anführungszeichen, so als wäre es dem Formulierenden selber peinlich gewesen, so wie in gesprochenen Texten bei Anglizismen oft  die Floskel "so wie es neudeutsch heißt" vermeintlich entschuldigend hinzugefügt wird. Das es anders geht, beweisen die WRM-Museumsleute selber in den anderen Abteilungen; sie kommen dort ganz ohne Anglizismen aus. Geht doch!


Kölnarena/Stadt Köln und ihre "öffentliche Aufbahrung eines Verstorbenen"

Besonders peinlich sind Anglizismen, wenn jemand krampfhaft weltoffen erscheinen will und dann voll daneben greift. So ist es den Veranstaltern des sog. Public viewing bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland - und auch in Köln - passiert. Wir zitieren hierzu aus einer Mitteilung des VdS:

"public viewing:

Im amerikanischen Englisch bezeichnet p.v. die öffentliche Aufbahrung eines Verstorbenen.

 ... Ähnlich muss es unserem amerikanischen Touristen mit dem „public viewing“ ergangen sein, das die Ausrichter der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland statt „Freilichtfernsehen“ unters Fußballvolk brachten, weil sie meinten, Weltoffenheit demonstrieren zu müssen. Hätten sie sich die Mühe gemacht, in einem englischsprachigen Lexikon nachzuschauen, sie hätten gemerkt, dass es den Begriff im britischen Englisch gar nicht gibt und dieser im amerikanischen Englisch die öffentliche Aufbahrung prominenter Verstorbener bedeutet. ... Nun werden sich englische Muttersprachler bei der Fußball-Europameisterschaft wieder fragen, welcher Prominente da wohl aufgebahrt werden soll. Oder sie werden Tränen lachen über das merkwürdige Sprachverhalten der deutschsprachigen Europäer."


Zur Fußball-EM 2008 wurde in Köln lange über ein erneutes öffentliches Massen-Fernsehen diskutiert, das dann schließlich in und um die Kölnarena stattfand - natürlich wieder unter diesem unsinnigen Namen, denn man hatte offenbar nichts dazu gelernt -. Natürlich ging es zur WM 2010 und geht es sicher auch zur EM 2012 so weiter. Und die Kerners und Beckmanns palaverten bei den EM-Reportagen natürlich entsprechend. Der Peinlichkeit einen drauf gesetzt hat aber dann ein Auslandsreporter von ARD oder ZDF, der am Tag der Obama-Wahl bei einer Außenreportage in Chicago vom Platz der Siegesfeier sinngemäß erklärte "Hunderttausende  haben sich hier zum Public Viewing versammelt." Angesichts der amerikanischen Geschichte um ihre Präsidenten  besonders peinlich! Hoffentlich hat's kein Amerikaner vor Ort gehört! Wer klärt diese Wichtigtuer unter den Reportern mal auf? Schreiben Sie an ARD und ZDF!

Schreiben Sie uns oder Ihrer Stadtverwaltung Vorschläge, wie man diese öffentlichen Fußball-Feste künftig nennen sollte (z. B. Freilicht-Fernsehen), ohne diesen unsinnigen und peinlichen Begriff weiter zu strapazieren.

Ähnlich daneben getappt wird auch in Köln u. a. mit

- blockbuster (gemeint ist Kassenschlager), war im 2. Weltkrieg die Bezeichnung für Luftminen zum Einsatz in  Wohnblöcken
- babyshooting (gemeint ist Baby-Fotografieren), heißt aber "Baby-Erschießung"
- body bag (für Umhängetache), so heißen die Leichensäcke zum Transport getöteter GIs
- rail and fly (für Zug zum Flug), heißt wörtlich übersetzt "schimpf und fliege"


Deutsche Bundesbahn

Die Bahn will offenbar näher an ihre Kunden heran: Beratung und Fahrkarten nicht nur am Bahnhof, sondern auch in den Stadtteilen. Wir finden, dies ist eine sehr gute Idee zur Verbesserung des Kundenkontakts. Und so wurde auch ein DB-Büro in Köln-Sülz aufgemacht ... und "DB Mobility Center" genannt.

Schlimm genug schon, das der betreffende Geschäftsbereich der DB so heißt. Aber so einen Laden zum Fahrkartenverkauf und zur Beratung in einem Vorort, also nicht am Hauptbahnhof oder Flughafen-Bahnhof mit internationalem Publikum, so zu nennen? Was soll das nur? Warum wird eine gute Werbe-Idee verhunzt? Eine ganz dumme Sprachsünde! Ein Friseur gegenüber macht's besser (s. unten).

Sprachsuenden                                      Sprachsuenden

Allerdings ein Hoffnungsschimmer am Horizont: Im Februar 2010 ist in der Presse zu lesen, dass die Bundesbahn von dem Denglisch-Unfug wieder abkommen will. Bald sollen u. a. die Fahrgäste wieder am "Schalter" Fahrkarten kaufen können. Hoffentlich gilt das auch für die Mobility-Center.



KVB

In ihrem Internetauftritt mit u. a. Fahrplanaukünften meint auch die ehemalige Behörde KVB offenbar modern wirken zu müssen. In der Themenleiste heißt es u. a. "Fahrplan und more" und "News und Service". Was soll's? Fragen Sie nach bei der KVB. Der VRS kommt auf einer entsprechenden Internetseite ohne solchen Schnick-Schnack aus. Dort heißt es "Fahrplaninfos" und "Fahrplanauskunft". Dafür bietet der VRS aber auch anders als die KVB eni englische Übersetzung für Touristen. Aber die KVB hat inzwischen gelertn (s. unten).


Express

Der Express, das lokale Kölner Boulevardblatt aus dem Verlag Neven Du Mont, veröffentlichte einstens 2 Meldungen, aus denen hervorging, dass die Überflutung mit englischen Begriffen nicht gewollt und nicht verstanden wird. Der im gleichen Verlag erscheinende KStA hat ebenfalls kürzlich mit großem Zuspruch in Leserzuschriften bemängelt, dass nichts mehr ohne Anglizismen gehe. Gut so! Aber die Redakteure von Express-Online (übrigens ein englischer Fachbegriff, der u. E. als eingedeutscht zu betrachten ist, den wir hier also getrost verwenden dürfen) formulierten dennoch in ihrer Inhaltszeile ein deutsch-englisches Sprach-Gemisch mit u. a.:

Home - News - Girls - x-Scouts - Deal (aktuell sind noch Home - News - Girls übriggeblieben!).

Das ist nicht konsequent, liebe Express-Redakteure? Gerade Redakteure, deren Handwerkzeug schließlich die Sprache ist, sollten besonders engagiert darauf achten, dass die Sprache nicht beschädigt wird (s. Zitat Peter Herbolzheimer oben)?

               <  Fundstelle Express; s. auch Vorbilder unten  >                  

Weitere unnötige und überflüssige ständig benutzte Anglizismensind: event, highlight, kids, power, shop und viele mehr. Und das schöne einfache Wort "Einkaufen" scheint kein Journalist mehr zu kennen ... nur noch von Shoppen ist die Rede.


Ausverkauf/Angebote >>> "Sale"
Eine in den letzten Jahren um sich greifende besonders blöde Unsitte ist die Werbung mit dem Anglizismus "Sale", dem internationalen Begriff für Ausverkauf/Angebote, obwohl es zuletztr schon wieder etwas rückläufiger aussieht; vielleicht haben manche Geschäfte die Statistiken über die Kundenmeinung zum "doofen Denglisch" gelesen. Nun werden manche "Sale-Anhänger" in der Innenstadt sagen, sie wollten ja schließlich die zahlreichen internationalen Besucher im Kölner Zentrum erreichen (obwohl die ja auch sicher das %-Zeichen schon richtig deuten würden). Hierzu haben wir dann 2 Gegenfragen: Wie argumentieren in diesem Fall die "Sale-Anhänger" in den Vororten? Und wollen die Geschäfte ohne diese "Sale"-Unsitte (wie z. B. C+A) nicht an Ausländer verkaufen?

Besonders  penetrant mit "Sale" warb z. B. im Jan 2007 das Kaufhaus Karstadt. Dessen damaliger Vorstandschef Peter Wolf hat sich übrigens wie folgt geäußert: "Unsere beiden Sport-Häuser heißen künftig nicht mehr Karstadt-Sport, sondern Sports. Das klingt irgenwie lifestyliger." Für uns und die meisten Bürger (ausweislich Umfragen zum Anglizismus-Wahn) klingt das irgenwie alberner. Schreiben Sie Karstadt das!


z.  B. Karstadt Köln
Sprachsünden
dagegen  >>>   

 z. B. Weme, Breite Str.
             
Spontane Momentaufnahme in der Kölner Innenstadt Ende Jan. 2007:
  • Karstadt: Sale
  • C+A: Schlußverkauf/reduziert              
  • Roland (Schildergasse): Winter ade
  • H+M:  Sale                                       
  • Hansen: Reduziert                          
  • Kaufhof im Fenster:  Rausverkauf (intelligent!),   im Inneren: Sale /reduziert (immerhin mit Übersetzung!)
  • Weme Design (Breite Str.):  Schnapp zu Preise (originell!)
  • Magazin (Breite Str.): Sale

Da ja sicher alle verkaufen wollen, ist das Verwenden von "Sale" also offenbar keine Frage der Umsatzsteigerung, sondern nichts anderes als schlampiger oder eben nichtschlampiger, sondern absichtlich repektloser Umgang mit der deutschen Sprache. Übrigens: Stand Karstadt nicht  kurz vor der Pleite? Seitdem ist dort  häufiger sehr auffällige anglizistische Werbung aufgefallen. Dieser Schuss mit einem neuen Werbe-Verhalten könnte nach hinten losgehen, liebe Karstadt-Werbemanager!


Fitness-Clubs (als Beispiel Firma "Fitness Sports")

Fitness Sports bietet an:
                      Kids Club           Lady Fitness               Aerobic                 Cycle                 Wellness
In New York  oder am internationalen Flughafen Köln/Bonn? Nein, in der Richard-Wagner-Str..Der Club heißt mittlerweile anders, aber die Sprachsünden sind wie in den meisten dieser Clubs nicht verschwunden Es gibt aber auch Konkurrenten, die machen das anders und besser (siehe unten Sprachvorbild Kieser) ... und fahren damit gut.

Köln 99ers/Kölner Basketball

Im Jahre 1999 begann mit der Gründung der "Cologne 99ers" der Versuch, in Köln an die frühere Basketball- Tradition anzuknüpfen. Die neugebildelte Bundesligamannschaft spielt seit 2001 in der Basketball-Bundesliga -
und das zunächst recht erfolgreich.  Zunächst nannte sich der club sehr befremdlich "RheinEnergy Cologne". Cologne ist zwar als englischer Name für Köln international bekannt und gegen eine internationale Verwendung dieses Namens ist auch nichts einzuwenden, warum aber in einem nationalen Vereinsnamen der eigene lokale Städtenamen Köln nicht mehr vorkommt - unerfindlich. Dann merkte man wohl, dass es vielleicht doch auf eine gewisse lokale Fanbindung ankommt und dass die Kölner im allgemeinen stolz  auf ihre Stadt sind. Und über "RheinEnergy Köln" ging es dann letztendlich zu "RheinEnergie Köln". Warum nicht gleich so?

Nun ist 2007 der Sponsor ausgestiegen. Ein neuer Name mußte her. Und was fällt den Basketball-Strategen ein: "Köln 99ers", was dann ausgesprochen  heißt  "Köln ninety-niners". Die haben nichts kapiert! Warum nicht einfach "Köln 99" wie Schalke 04? Aber immerhin: "Köln" kommt weiterhin vor. Danke! Der Club ist übrigens mittlerweile insolvent. Ein Zusammenhang?


Kids Club beim 1. FC Köln
Unser aller FC gibt sich im allgemeinen sehr volkstümlich und ist nahe an seinen Fans. Und im Stadion gibt's viele kölsche Lieder. Also im Sinne dieses Sprachsünden-Themas gibt's nicht viel zu beanstanden am FC. Nur bei den Kindern meint wohl auch der 1. FC Köln einem vermeintlichen Zeitgeist folgen zu müssen. Er nennt seinen Club für die Kleinen Kids Club  ... und darum ranken sich dann natürlich viele hieraus abgeleitete Anglizismen.

Als der damalige Leiter des Rosenmontagszugs Alexander von Chiari für den Zoch 2005 das geplante Motto-Wort
Kids nach Protesten des VDS und anderer durch das schöne kölsche Wort Pänz ersetzt hatte, das natürlich gerade im volkstümlichen Karneval viel viel besser passte und origineller ist, wurde er dafür mit dem "Lehrer-Welsch-Preis" ausgezeichnet. Herr Chiara hatte, und das ehrt ihn, einen Fehler korrigiert.

Auch zum FC würde ein "Pänz-Club" viel besser passen. Schreiben Sie an den Präsidenten des 1. FC Köln.



Bund deutscher Architekten Köln
Architekten zählen sich zu Recht zu den Kulturschaffenden. Diese sollten aber besonders  engagiert sein, Kultur- güter, zu denen auch die eigene Muttersprache gehört, zu erhalten und zu pflegen.

Der BDA Köln veranstaltet regelmäßig sehr qualifizierte Gesprächsrunden über Architekturthemen Kölns und leistet damit einen hervorragenden Beitrag zur besseren Gestaltung der Stadt. Nun  meinte man plötzlich, eine neues unterhaltsames Veranstaltungsformat einführen zu wollen. Da spricht ja auch zunächst mal nichts dagegen. Aber wie nennen sie das: "WE LOVE ARCHITECTURE."  Und es geht weiter mit:" ... bei  smarten Statements, lässiger Musik und coolen Drinks".

Was soll's liebe Architekten? Wollt ihr jetzt auch krampfhaft jugendlich wirken? Ist Euch der Titel "Wir lieben Architektur" in Deutsch zu blöd? Warum aber dann in Englisch? Zu dieser Aktion passen die oben aufgeführten Zitate von Peter Herbolzheimer und Walter Krämer genau.


Wash, cut and go
Eine Friseurin in Sülz - also nicht im Kölner Zentrum in einem Gebiet mit vielen ausländischen Touristen - warb für einen bieder wirkenden Laden mit großen Buchstaben "Wash, cut and go 19 €". Man war immer versucht, dort reinzugehen und zu fragen, was denn das Haareschneiden kostet. Hatte hier ein Werbemensch (wie bei einigen anderen Friseuren auch) für viel Geld einen angeblich pfiffigen Werbespruch aufgeschwätzt? Falls ja, war's erfolglos. denn  dieser Friseurladen ist inzwischen in neuen Händen. Ein Zusammenhang? Dabei sind gerade Friseure oftmals sehr kreativ bei der Erfindung intelligenter Namen (s. unten).


Bikestation  in Köln-Sülz
Ein neuer Laden mit einer an sich gut gemachten Internet-Seite meint offenbar, ohne Angliszismen ginge es nicht, obwohl andere Klein-Unternehmer in der Nähe anderes beweisen (wie
Friseure; s. unten), und nennt sich Bikestation. Warum nicht viel origineller "Radstation" oder "Fahrradladen"? Fragen sie dort nach. Am Schluss der Internetwerbung dämmert es den Verfassern wohl selbst: "We ride for you! BIKESTATION Köln-Sülz - Der Radladen mit mehr Service."


Wer mit Anglizismen wirbt, hat was zu verbergen!
Informieren sie sich beim Verein Deutsche Sprache ( www.vds-ev.de)



(wird fortgesetzt)

 
 
   
   

                                     
     Beispiele für Sprachvorbilder in Köln *
    
                       
      
Firma Kieser   Kieser
Die Firma Kieser, die auch in Köln mehrere Filialen für gesundheitsorientiertes Krafttraining unterhält, achtet auf gutes Deutsch ohne Anglizismen (auch in dem deutschen Teil des Internetauftritts) , was gerade in dieser oft mit Imponiergehabe und vermeintlicher Imponiersprache "Denglisch" verbundenen Branche besonders auffällig ist. Herr Kieser hierzu (Zitat Sprachnachrichten des VDS, Jan. 07): Kieser  verzichtet auf Anglizismen, "weil ich der Ansicht bin, dass der Gebrauch von Anglizismen Inkompetenz verrät, nicht allein sprachliche, sondern auch fachliche. Wer sein Fachgebiet nicht in seiner Muttersprache vermitteln kann, hat es nicht vollständig begriffen." Bravo!


Express

Der oben als Sprachsünder erwähnte Express bietet auch viel Erfreuliches. Die Ausgabe am Sonntag, 30.09.07,  enthielt einen ausgezeichneten Artikel von Stefanie Monien, in dem sehr gut die Problematik der Sprachverhunzung dargestellt worden ist. Und am 28.02.10 titelte der Express: "Wer deutsch wirbt, verkauft besser" und fordert Leser mit "Welches Denglisch nervt am meisten?" zur Mitwirkung auf. Vielen Dank ... und weiter so.
Sprachsünden
30.09.07 
Sprachsünden
28.02.10 (Auszug)    
    

Friseure
Auffallend viele Kölner Friseure machen den Denglisch-Wahn nicht mit. Sie benennen ihre Läden mit zum Teil sehr originellen deutschsprachigen Bezeichnungen, während manche Unternehmer offenbar meinen, allein das Verwenden von Anglizismen sei schon originell und werbewirksam, dabei ist es zumeist nur blöd. Ein positives Friseur-Beispiel in Sülz: "Haargenau" direkt gegenüber dem "DB Mobility-Center"!
 Sprachsünden


KVB

Die KVB hat mittlerweile offenbar gelernt. Auf ihrer Internet-Seite heißt es jetzt "Fahrplan und Mehr" (früher More) und "Neues und Service" (früher News). Danke! Nur Kölner Events gibt's noch.

(wird fortgesetzt)


        
   
Forderungen:

1. Die Leitung der Stadtverwaltung Köln und der Stadtrat mögen dafür sorgen, dass im amtlichen Schriftverkehr der Stadt Köln unnötige und überflüssige Anglizimen unterbleiben. Die Bürger haben das Recht, verständlich und in ihrer Muttersprache angesprochen zu werden.

2. Die Kölner Firmen sollten sich im eigenen Interesse - ausweislich eindeutiger Umfragen - ebenfalls bemühen, auf
unnötige und überflüssige Anglizimen zu verzichten, insbes. in der Werbung auf das alberne "Sale".


Legen Sie Ihr Veto ein!
Schreiben Sie an die Verantwortlichen und Interessierten sowie an die Kölner Medien!


Hinweis für die Leser:
Falls Ihnen mal eine deutschsprachige Alternative zu einem Anglizismus nicht einfällt (was uns allen gelegentlich passiert und zeigt, wieweit dieser Virus schon in unseren Köpfen ist), bietet der "Angliszismenindex
eine Hilfe an.
                                                       
   
 

ANSPRECHPARTNER:
 

                         
 
Kölner Sprachsünder
Basketball-Verein Köln 99ers (insolvent!)
Bund Deutscher Architekten Köln

Deutsche Bahn AG, Vorstand, Herr Mehdorn, Potsdamer Platz 2, 10785 Berlin
Express, Chefredakteur, post@express.de
Firma Karstadt (z. Hd. Herrn Peter Wolf)
Firma Fitness Sports
Kölnarena (Lanxess-Arena)

Stadtverwaltung Köln
1. FC Köln (Präsident)
Wallraf-Richartz-Museum (Direktor)
Bikestation Köln-Sülz

Kölner Sprachvorbilder
Express-Redakteurin Stefanie Monien
Firma Kieser

Interessierte (Vereine und Organisationen)
Verein Deutsche Sprache, 
www.vds-ev.de
Aktion Lebendiges Deutsch, www.aktionlebendigesdeutsch.de
Anglizismen-Index des VdS www.anglizismenindex.de

Stadtverwaltung und Stadtrat
Oberbürgermeister
Franktionsvorsitzende von SPD, CDU, Grüne. FDP, Linke


Lokale Medien

Kölner Stadtanzeiger
Kölnische Rundschau
Kölner Express
Westdeutscher Rundfunk
Radio Köln
Center TV


                               
Stand: 02.2012
 



 * Die Seite wird fortgeschrieben!     
** Web-Projekt z. Zt. eingestellt!  

Fotos zumeist vergrößerbar durch Anklicken.
Fotos und Skizzen sind vom Autor selbst erstellt worden oder stammen in Einzelfällen aus nach Kenntnis des Autors nicht urheberrechtlich geschützten Quellen ("gemeinfrei") oder wurden freigegeben und sind nach bestem Wissen des Autors auch sonst nicht urheberechtlich geschützt. Sollten dennoch im Einzelfall Urheberrechte betroffen sein, wäre dies unbeabsichtigt; in diesem Fall wird um einen Hinweis gebeten. © der eigenen Fotos beim Autor!

© GL Köln

16.01.2012
                                                                                                                                                                                                       
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